Aachen, den 19.09.2022

Fußball, Freizeit und viel mehr: ein Sommer voller Highlights

Das Fanprojekt Aachen blickt mit viel Freude, aber auch mit etwas Wehmut auf einen abwechslungs- und erlebnisreichen Sommer zurück. Ob im Stadion, am Lagerfeuer oder an der Sprühdose: die heiße Jahreszeit hatte für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einige Highlights zu bieten.

Auf ins Stadion

Zu ausgewählten Auswärtspartien boten wir U18-Touren an. Im meist vollbesetzten Bulli ging es zu Testspielen ins benachbarte Ausland nach Eupen und Kerkrade sowie in der Regionalliga nach Oberhausen, Wuppertal und Wattenscheid. Der ehemalige Bundesligist aus dem Ruhrgebiet gewährte unserer Gruppe nicht nur wie die anderen Gastgeber freien Eintritt, sondern spendierte darüber hinaus noch die berühmt-leckere Wattenscheider Stadionwurst. Abgerundet wurde die Fahrt mit einem Quiz über Stadt und Verein, ausgelassene Stimmung auf den Rängen und drei Punkten für die Alemannia.

 

Beim Länderspiel in Mönchengladbach erlebten wir einen fulminanten 5:2 Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien und in Leverkusen eine überraschende 1:2 Niederlage beim Heimauftakt gegen Augsburg.

 

Mit dem Ball

Mindestens einmal im Monat schnüren wir selbst die Fußballschuhe, um beim Montags-Kick in der Soccerhalle auf Torejagd zu gehen. Beim Werner-Fuchs-Gedächtnisturnier, das von der Karlsbande organisiert wurde, stellten das Fanprojekt gemeinsam mit der Fanbetreuung ein eigenes Team. Auf dem Gelände des Eisenbahner-Sportvereins schlugen wir uns achtbar, wenngleich es nicht für die vorderen Plätze reichte. Doch viel wichtiger als das waren an einem überaus gelungenen Tag die Geselligkeit und der Austausch mit den Fans.

 

An einem Vormittag im August tauschten 90 Schüler und Schülerinnen aus der Städteregion für einige Stunden das Klassenzimmer gegen einen Vorplatz am Tivoli, obwohl sie eigentlich Hitzefrei gehabt hätten. Auf dem Unterrichtsplan stand die Streettour. Das Straßenfußballturnier, das unter dem Motto „kick racism out“ ausgetragen wird, gehört seit Jahren zum festen Repertoire des Fanprojekts. Das gemeinsame Erleben, die Freude am Fußball und ein fairer Wettkampf stehen dabei unabhängig von Geschlecht, sozialer oder kultureller Herkunft im Mittelpunkt.

 

Am Lagerfeuer

Ein wunderbarer Jugendzeltplatz, ein vielfältiges Programm, eine hervorragende Organisation und ein friedliches Miteinander von Fans mit unterschiedlicher Vereinszugehörigkeit zeichnen das Fancamp aus, das jedes Jahr von der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW e.V. veranstaltet wird. Unter den 50 Jugendlichen aus Aachen, Bochum, Dortmund, Essen, Leverkusen und Paderborn stellten die insgesamt zehn Jungen und Mädchen aus der Kaiserstadt diesmal die größte Gruppe bei der fünftägigen Ferienfreizeit am Lippesee. Das Programm bot für die Fans im Alter von 14 bis 18 Jahren wieder einmal jede Menge Action und Abwechslung: Wasserski und Wasserschlacht, Beachvolleyball und Beachsoccer, Go-Kart und SUP, ein Graffiti-Workshop, eine Stadionführung in Paderborn, ein Ausstellungsbesuch im NS-Dokumentationszentrum Wewelsburg, gemeinsam kochen und gemeinsam chillen. Die erlebnisreichen Tage endeten meist in großer Runde am Lagerfeuer, bei anregenden Unterhaltungen und dem ein oder anderen Kartenspiel.

 

Ab ins kühle Nass

Die Sommerhitze führte uns das ein oder andere Mal zu spontanen Tagesausflügen, die eigentlich nicht auf dem Programm standen. Im Dürener Badesee und im Rursee gab es dann inklusive grazilen Sprüngen von der „Arschbombe“ bis zum „Salto“ die nötige Abkühlung.

 

Ganz schön kreativ

Graffiti steht seit einiger Zeit hoch im Kurs, weshalb wir verstärkt Angebote in diesem Bereich, teilweise unter professioneller Anleitung eines Graffiti-Künstlers durchführen. Wer dabei denkt, wir trainieren Jugendliche für die nächtliche Bemalung von Autobahnbrücken oder ähnlichem, liegt jedoch falsch. Ob an der selbstgebauten, legalen Übungsfläche am Fanprojekt, auf Leinwänden oder zum Verschönern alter, verwitterter Holztische: die kreative Gestaltung mit der Sprühdose und das Anfertigen eigener Motiv-Entwürfe, z.B. um diese im Siebdruckverfahren auf Beutel oder Shirts zu bringen, macht allen sichtlich Spaß.

 

Für eine besondere Graffiti-Aktion verschlug es uns für zwei Nachmittage in die Eifel. Im Rahmen des Projekts „Miteinander in der Städteregion Aachen – gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ gestalteten wir in Kooperation mit dem Jugendcafé Simmerath und einigen seiner Jugendlichen eine Bushaltstelle. Die jungen Künstler und Künstlerinnen wählten für ihr buntes Bild den Begriff „Zusammenhalt“ und bauten passend zum Ort noch ein Haltestellestellenschild in den Schriftzug ein. Das Ergebnis begeisterte nicht nur uns, sondern erhielt das Jugendcafé für die farbenfrohe Gestaltung und das wichtige Statement von der Gemeinde Simmerath, aber auch von anderen Jugendlichen viel positives Feedback.

 

Rund um die Stadt

Aachens Geschichte ist lang und umfassend. Die meisten Alemannia-Fans, mit denen wir es hauptsächlich zu tun haben, interessieren sich in Verbundenheit für die Vergangenheit ihrer Heimat. Aus diesem Grund bietet das Fanprojekt immer wieder unterschiedliche Formate wie Stadtführungen, Rundgänge oder Ausstellungsbesuche an. Der abendliche Spaziergang „Karls sagenhafte Stadttour“ führte uns diesmal durch verwunschene Gassen und an historische Schauplätze. Wir erfuhren einiges über Hexen, Tempelritter, rastlosen Seelen und weitere sagenhafte Gestalten. Die spannende und zum Schmunzeln einladende Geschichtsstunde verbanden wir mit dem Besuch in einem Billardcafé.

 

Die Themen „Die letzten Kriegstage in Aachen“ und „Aachen im Nationalsozialismus“ war zwar weniger leicht, aber nicht weniger interessant und das Erinnern an diese Zeit ist heute vielleicht wichtiger denn je. Anlässlich des Antikriegstags am 1.September, an dem an die Schrecken des Ersten und Zweiten Weltkriegs, die schrecklichen Folgen von Krieg, Gewalt und Faschismus sowie deren Opfer gedacht wird, luden die VHS Aachen mit dem DGB NRW-Süd-West zu verschiedenen Rundgängen ein. Dabei machten wir für neunzig Minuten an historischen Orten, Stolpersteinen und Gedenktafeln der „Wege gegen das Vergessen“ Halt und erhielten von der Referentin wissenswerte Informationen. Besonders stark fanden wir, dass zahlreiche Mitglieder zweier Fangruppen an den Rundgängen teilnahmen und sich, statt bei schönstem Wetter im Biergarten zu sitzen, mit diesem schweren wie traurigen Thema zu befassen.

 

Noch nicht genug

Zu den normalen, alltäglichen Aufgaben des Fanprojekts, von der Büroarbeit über zahlreiche Netzwerktreffen bis hin zur Spieltagbegleitung, gesellten sich weitere schöne Aktionen und Angebote. An einen richtig coolen Tag beim Schalker Fanprojekt inklusive Stadionführung und Graffiti-Workshop, an rasante Fahrgeschäfte beim Besuch eines Freizeitparks in Bottrop sowie erste Abfahrtsversuche im Schnee in einer Skihalle in Landgraf erinnern wir uns sehr gerne. Gleiches gilt für die Ausflüge zum Schokoladenmuseum in Köln, ins Energeticon nach Alsdorf sowie ins Bowlingcenter, die wir im Rahmen von unserem Integrationsprojekt „Heimspiel für alle“ durchführten. Wenn keine andere Veranstaltung anstand, blieb immer noch der „Offene Treff“ im Fanprojekt, um Freunde und Freundinnen zu treffen, sich zu unterhalten, gemütlich im Garten zu chillen, ab und zu mal grillen oder eine Runde Tischtennis zu spielen.

 

Immer weiter

Obwohl mit Herbst und Winter die regnerischere, kältere und dunklere Jahreszeit Einzug hält und die Outdoor-Angebote deshalb weniger werden, sind auch für die kommenden Monaten verschiedene Aktionen geplant. Das Integrationsprojekt mit Workshops im Stadion und vielfältigen Aktionen läuft weiter und erwartet interessierte Gruppen. In den Herbstferien gestalten wir eine Außenwand des Fanprojekts und im November stehen die Fußballkulturtage NRW auf dem Programm.

 

Danke Danke

Unser besonderer Dank geht an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen, Schüler und Schülerinnen, Pädagogen und Pädagoginnen, die unsere Angebote wahrgenommen haben. Wir bedanken uns außerdem bei allen Netzwerkpartnern und Netzwerkpartnerinnen sowie allen Unterstützern und Unterstützerinnen, die uns bei der Durchführung der jeweiligen Veranstaltungen tatkräftig geholfen und damit einen wichtigen Anteil zum Gelingen beigetragen haben: AachenerStadionBeteiligungs GmbH, Alemannia Aachen, Alemannia Aachen Fanbetreuung, Berufskolleg Nord der Städteregion, Derby Arena Herzogenrath, DGB Region NRW-Süd-West, Europaschule Herzogenrath, Fanprojekt Bochum, Fanprojekt Dortmund, Fanprojekt Leverkusen, Fanprojekt Oberhausen, Fanprojekt Wuppertal, Gemeinde Simmerath, Geminschaftshauptschule Aretzstraße, Gesamtschule Aldenhoven-Linnich, Jugendcafé Simmerath, KAS Eupen, LAG der Fanprojekte NRW e.V., Landschaftsverband Rheinland, LVR David-Hirsch-Schule, Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration, Os Oche, Projekt "Miteinander" des Kommunalen Integrationszentrums der Städteregion, Realschule Baesweiler, Roda Kerkrade, RW Oberhausen, Schalker Fanprojekt, SG Wattenscheid 09, Stadt Aachen, Städteregion Aachen, VHS Aachen, Wuppertaler SV.

Pressemitteilung zur 28. Jahrestagung der BAG der Fanprojekte                                                      Karlsruhe/Jena, den 26.03.2022

Es fährt kein Zug nach Nirgendwo - Fanprojektarbeit in ländlichen Räumen

Unter diesem Titel fand die diesjährige Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) auf dem Rabenberg im Erzgebirge statt. Es war dabei nicht überraschend, dass sich schon auf der Talkrunde zur Eröffnungsveranstaltung die Fragen um Angebotsdichte und Erreichbarkeit, Netzwerkbildung, Anonymität oder politische Strukturen drehten und damit Unterschiede zu großen Metropolenregionen schlagwortartig beschreiben. Und natürlich sind diese Unterschieden den Akteuren Sozialer Arbeit im ländlichen Raum, und damit auch Fanprojekten, wohl bekannt. Doch worin differenziert sich die Arbeit in Dortmund und in Plauen? Was macht es aus, wenn 80.000 oder 5.000 Zuschauer*innen im Stadion sind? Braucht es überhaupt Soziale Arbeit mit Jugendlichen in ländlichen Räumen? Das VIII. Sozialgesetzbuch beantwortet diese Frage gleich im ersten Satz: „Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ Es braucht also nicht über eine Notwendigkeit gesprochen werden, vielmehr muss festgestellt werden, dass die vorhandenen Angebote nicht ausreichen oder schlecht greifen.

 

Klaus Farin kritisierte in seinem Inputreferat im Rahmen der Auftaktveranstaltung in den Zinnkammern Pöhla e.V., dass seit Jahren dieselben Fehler begangen würden. Jugendliche werden schlecht einbezogen, können nicht mitbestimmen und ihre Bedürfnisse werden von Erwachsenen eher vermutet als tatsächlich gemeinsam mit ihnen identifiziert. So würde beispielsweise in keinem einzigen Beirat der Verkehrsverbünde auch nur ein*e Jugendliche*r sitzen, und das, wo gerade die schlechte Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr eine große Herausforderung für junge Menschen ist. Dieser Umgang der Erwachsenenwelt mit jungen Menschen ist schwer verständlich, sind doch gerade ländlichere Gebiete auf die Jugendlichen angewiesen. Und die wollen, aktuellen Studien zufolge, auch gerne bleiben. Fanprojekte haben an dieser Stelle entscheidende Vorteile. Die Leidenschaft für Fußball und einen Verein verbindet und bringt junge Fans aus der Region in den Stadien zusammen. Eine ideale Voraussetzung für die Kontaktaufnahme und Beziehungsarbeit durch die Sozialarbeiter*innen gerade in Regionen, wo es wenig vergleichbare Angebote Sozialer Arbeit gibt. Die Fansozialarbeit orientiert sich mit ihren partizipativen und offenen Angeboten an den Bedarfen der Fans und ihrer Lebenswelt. Dabei reicht das Portfolio von Beratungsangeboten, über das zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten und weiterer Infrastruktur, Outdooraktivitäten oder U18-Fahrten zu Auswärtsspielen. Damit sind Fanprojekte – gerade in ländlichen Räumen – ein unverzichtbarer Bestandteil der ausgedünnten Hilfelandschaft, darüber waren sich die Podiumsgäste einig.

 

Der zweite Tagungstag beinhaltete eine Vielzahl von Workshops. Ein Schwerpunkt lag dabei auf der Konzipierung erlebnispädagogischer Angebote, welche abseits von Großstädten und Ballungsgebieten einfach realisiert werden können. Die Tagung endete mit der turnusmäßigen Mitgliederversammlung der BAG Fanprojekte e.V. Die nächste Tagung wird im März 2023 in Lübeck stattfinden.

 

Sophia Gerschel / Christian Keppler

BAG Sprecher*innen

Pressemitteilung  Katholische Hochschule NRW / LAG der Fanprojekte NRW e.V.                 Köln / Aachen / Bochum, 04.03.2022

Erste psychosoziale Online-Beratung für Fußballfans: Sozialarbeiter*innen helfen bei Alltags- und Suchtproblemen auf www.fan-support.de

Sozialarbeiter*innen von zehn Fußball-Fanprojekten in Nordrhein-Westfalen beraten ab sofort auf www.fan-support.de bei Problemen auf der Arbeit, in der Schule, in der Familie sowie mit Substanzkonsum, Suchterkrankung oder Glücksspielsucht. +++ Die Initiatoren möchten jugendliche Fans und junge Erwachsene in ihrer Lebenswelt erreichen. +++ Das Portal ist eine Initiative des Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (katho) in Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte in NRW e.V. (LAG NRW e.V.).

 

Die Expert*innen stehen den ratsuchenden Fußballfans anonym bei Alltags- und Suchtproblemen auf zwei Wegen bereit: Die Mail-Beratung ist jederzeit ohne Anmeldung möglich. Die Beratung per Chat findet nach Registrierung und vorheriger Terminbuchung auf dem Portal live statt. Zudem werden über das Portal Informationsveranstaltungen gestreamt: So findet am 22. März 2022 die Veranstaltung „Fußball – Ultras – Männlichkeit“ statt. Hintergrundinformationen zu Fankultur und Lebenswelt von Fußballfans gibt es unter dem Menüpunkt „Wissen“. Das Angebot wird fortlaufend erweitert.

 

Die beratenden Sozialarbeiter*innen aus den Fanprojekten in Köln, Düsseldorf, Leverkusen, Aachen, Wuppertal, Gelsenkirchen (Schalke), Dortmund, Duisburg, Essen und Paderborn sind in motivierender Gesprächsführung sowie Onlineberatung geschult. Die Implementierung des Beratungsportals wird durch das Deutsche Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISuP) wissenschaftlich begleitet. Die Initiatoren möchten mit www.fan-support.de jugendliche Fans und junge Erwachsene in ihrer Lebenswelt erreichen und ihnen eine niedrigschwellige Unterstützung anbieten. „Obwohl der Konsum von Alkohol, Cannabis und anderen psychotropen Substanzen in der aktiven Fanszene verbreitet ist, existieren bisher keine auf die Lebenswelt der Fans angepassten Beratungsangebote der Suchthilfe – diese Leerstelle möchten wir mit unserem Angebot füllen und stellen damit eine Scharnierfunktion zwischen offener Jugendarbeit und Suchthilfe dar“, sagt Prof. Dr. Daniel Deimel. Der katho-Experte leitet das Projekt. Die Besonderheit liegt in der zeitgemäßen digitalen und anonymen Beratung über eine Online-Plattform: „Die Kontaktbeschränkungen der Corona-Pandemie haben den Bedarf nach digitalisierter Beratung in den Fanprojekten noch einmal deutlich hervorgehoben“, so Deimel.

 

Patrick Arnold, Mitinitiator und Geschäftsführer der LAG Fanprojekte NRW, sieht das Portal als sinnvolle Ergänzung zu bereits bestehenden Angeboten in der aufsuchenden Sozialarbeit: „Wir erhoffen uns von www.fan-support.de, zukünftig noch mehr Menschen und auch neue Bezugsgruppen erreichen zu können.“ Die Digitalisierung wirke sich somit auch auf die niedrigschwellige Sozialarbeit aus. Das Portal www.fan-support.de wird gefördert vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und resultiert aus dem Projekt „SubFAN – Beratung und Begleitung von substanzkonsumierenden Fußballfans“. Dieses Projekt, das die katho unter Leitung von Deimel durchführt, wird von November 2020 bis Oktober 2023 vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

 

Kontakt bei inhaltlichen Fragen:
Prof. Dr. Daniel Deimel, katho am Standort Aachen, T: 0177 31 33 500, d.deimel@katho-nrw.de
Patrick Arnold, LAG Fanprojekte NRW, T: 0171 35 83 596

Pressemitteilung LAG der Fanprojekt NRW e.V.                                                                                                  Bochum, den 27.01.2022

Für einen inklusiven, offenen und toleranten Sport - „Meldestelle für Diskrimi-nierung im Fußball in NRW“ (MeDiF-NRW) nimmt seine Arbeit auf!

Mehr als in anderen Sportarten werden im Fußball gesellschaftspolitische Erscheinungen sichtbar. Die Ausdrucksformen sind vielfältig (Gewalt, Diskriminierung, Ethnisierung etc.). Gleichzeitig kann der Fußball diese sozialen Tendenzen und Phänomene mit seinen Strukturen beeinflussen und kreativ mitgestalten. Der Fußball in seiner Vielfalt ist damit als wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur zu begreifen. Eine Kategorisierung, statistische Verarbeitung und analytische Auswertung von diskriminierenden Vorfällen finden jedoch bislang trotz der regelmäßigen Erhebung von Daten im Bereich Gewalt (ZIS-Berichte) nicht statt.

 

Um dieser Aufgabe in Nordrhein-Westfalen gerecht zu werden, wurde das Pilotprojekt einer internetmediatisierten „Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW“ (kurz: MeDiF-NRW) eingerichtet. Es schafft für das bevölkerungsreichste Bundesland ein Forum, damit derartige Vorfälle erstmalig systematisch und nach transparenten Kriterien gesammelt, dokumentiert und ausgewertet werden. Finanziert wird das Projekt durch die Staatskanzlei NRW und das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW. Das Ziel des Vorhabens besteht in der Etablierung einer Anlaufstelle für Vereine und ihre Mitglieder, Fans, Fangruppen, Organisationen im Profi- wie Amateurbereich oder sonstige Akteur*innen rund um den Fußballsport, an die sich Betroffene und Zeug*innen diskriminierender Vorfälle sowie Strukturen wenden können und professionell Unterstützung erfahren. Zugleich gewährleistet die Meldestelle gesellschaftliche Solidarität und ermöglicht eine Sensibilisierung gegenüber Betroffenen, deren Stellung im komplexen Spannungsfeld zwischen Politik, Sport und Gesellschaft bislang oftmals vernachlässigt wurde.

 

Angesiedelt bei der LAG Fanprojekte NRW erfolgen sämtliche Arbeitsschritte in enger Abstimmung und Kooperation mit einem breit gefächerten Netzwerkverbund. Hierzu gehören Vereine (Profi- und Amateur-bereich), Verbände (inkl. Fußballverbände auf Landesebene, Fußballkreise), Bünde im „Sportland NRW“, Schulen (z.B. Schule gegen Rechtsextremismus), universitäre Institu-tionen (z.B. Ruhr-Universität Bochum) sowie zivilgesellschaftliche Organisationen, die im Feld Rechtsextremismusprävention, Demokratieförderung und Politische Bildung aktiv sind (z.B. Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus NRW und Opfer-beratungen in NRW).

 

Kontakt: Patrick Arnold

Tel.: (0234) 97 830 720

Fax: (0234) 97 830 722

www.lag-fanprojekte-nrw.de

 

LAG Fanprojekte NRW c/o MeDiF-NRW

Universitätsstr. 83

44789 Bochum

 

Die Meldestelle wird am 01.07.2022 auf der eigens erstellten Homepage online gehen. Hiermit laden wir bis dahin alle an einer Vernetzung und Kooperation interessierten Fußballvereine im Profi- wie Amateurbereich dazu ein, sich unter der Mailadresse info@medif-nrw.de bei uns zu melden. Gerne geben wir Ihnen einen vertiefenden Einblick in das Projekt und legen Ihnen dar, wie eine zukünftige Zusammenarbeit aussehen kann. Des Weiteren möchten wir Sie darauf aufmerksam machen, dass in der ersten Hälfte des Jahres 2022 eine „Befragung zu Diskriminierungserfahrungen im Kontext des Fußballs in NRW“ durch die Meldestelle initiiert und durchgeführt wird. Wir würden uns über eine rege Unterstützung zur Verbreitung und Teilnahme an der Befragung freuen.

 

Für weitere Fragen oder als Möglichkeit zum Austausch folgen Sie uns auch gerne auf Twitter: https://twitter.com/medif_nrw.

 

Ihr MeDiF-NRW Team

Lisa Krawczyk (MeDiF-NRW)     

Dr. David Berchem (Ruhr-Universität Bochum)                 

Patrick Arnold (LAG Fanprojekte NRW)

O-Töne:

„Mit der Meldestelle für Diskriminierung wird eine institutionelle Schnittstelle geschaffen, bei der erstmals diskriminierende Vorfälle rund um den Fußballsport in NRW systematisch erfasst werden. Diese Klarheit soll uns daran erinnern, dass wir auf eine Zukunft ohne Diskriminierung im Fußball hinarbeiten müssen, um allen Personen die Teilhabe am Fußball zu ermöglichen und diese nachhaltig zu verbessern.“ Lisa Krawczyk, M.A. Soziale Arbeit, Projektmitarbeiterin MeDiF-NRW

 

„Ziel ist es, Diskriminierung im Fußball sichtbar zu machen, Akteure zu sensibilisieren und allen voran natürlich den Betroffenen von Diskriminierung ein Unterstützungsangebot zu machen. Das gut funktionierende Netzwerk der Fanprojekte in weite Teile des sport- und gesellschaftspolitischen Bereiches des Landes wird bei der praktischen Umsetzung einer Antidiskriminierungsstelle im NRW-Fußball hilfreich sein. Patrick Arnold, Diplom Sozialpädagoge, Leiter der Fachstelle der Fanprojekte in NRW mit Sitz in Bochum

 

„Eine unabhängige Antidiskriminierungsstelle macht aus wissenschaftlicher Betrachtungsweise Sinn, weil vertiefte Einblicke in Fußball(fan)kulturen sowie eine nachhaltige Vernetzung dabei helfen, gesellschaftliche Probleme zu verstehen und den Fußball zum Sport Aller zu machen.“ Dr. David Berchem, Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Ruhr-Universität Bochum

Pressemitteilung zur 27. Jahrestagung der BAG der Fanprojekte                                                      Karlsruhe/Jena, den 10.09.2021

Bewegte Zeiten für die Fansozialarbeit

Unter dem Titel „Fußball ist immer noch wichtig – Bewegte Zeiten für die Fansozialarbeit“ fand vom 7. bis 9. September die 27. Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte in Mainz statt. Nach mehr als zweieinhalb Jahren war es die erste Fachtagung der bundesweit organisierten Fanprojekte, die wieder stattfinden konnte.

 

Neben Katharina Binz, Ministerin für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz, nahmen Fachkräfte aus den Fanprojekten und weitere geladene Gäste aus den Bereichen Fanorganisationen, Fußball, Politik oder auch der Polizei an der Eröffnungsveranstaltung teil. Das Podiumsgespräch zum Tagungsthema machte deutlich, welchen Herausforderungen sich Jugendliche und junge Heranwachsende Fußballfans stellen müssen. So berichtete die Präsidentin der Psychotherapeut*innen-Kammer Rheinland-Pfalz, Sabine Maur, dass während der Kontaktbeschränkungen für Jugendliche und junge Erwachsene Prozesse, die in der Jugend prägend sind und identitätsbildende Erfahrungen einfach wegfielen. Nachteile durch die Pandemie hätten vor allem finanziell schlechter Gestellte und Jugendliche, die über wenig Ressourcen verfügen, erfahren. Dies äußerte sich durch ein höheres Aufkommen an depressiven Stimmungen und Essstörungen und auch der Medienkonsum stieg bei 14- bis 23jährigen stark an. Hierauf habe die Politik zu wenig geachtet. Viele hätten die Anpassungsleistungen, die die Pandemie erforderte, nicht leisten können.

 

Auch für die Fanprojekte war eine schnelle Anpassung an die neue Situation unausweichlich. Alle Teilnehmer*innen haben auf die verschiedenen Herausforderungen für Fans, Fanarbeit, Hilfebedürftige und Systeme hingewiesen. Die sozialpädagogische Fanarbeit, die normalerweise von Begegnung und persönlichen Kontakten lebt, musste in kurzer Zeit Wege finden, Fußballfans und deren Anliegen neu, aber ohne direkte Nähe, zu begleiten und zu unterstützen. Jana Spengler, Leiterin des Fanprojekt Darmstadt, betont in diesem Zusammenhang: „Die grundsätzliche Flexibilität der Fanprojekte und ihrer pädagogischen Arbeit machten Angebote und Unterstützung für Fußballfans in diesen Zeiten und auch zukünftig möglich.“ Die Orientierung der Fanprojekte an den Bedürfnissen junger Menschen hat und wird auch weiterhin dazu beitragen, die Interessen der Fußballfans in den neuen Rahmenbedingungen wahrzunehmen und zu begleiten, gemeinsam im Netzwerk zu diskutieren und letztendlich auch die eigenen Arbeitsansätze und Methoden weiterzuentwickeln.

 

Auf der dreitägigen Jahrestagung haben die Mitarbeiter*innen der Fanprojekte die Arbeit in den zurückliegenden Monaten und Jahren u.a. in zehn Workshops reflektiert und über zukünftige Herausforderungen gesprochen. Die Tagung endete am dritten Tag mit der Mitgliederversammlung, in der Sophia Gerschel (Fanprojekt Karlsruhe) und Christian Keppler (Fanprojekt Jena) erneut das Vertrauen als Bundessprecher*in für ihre nun dritte Amtsperiode erhielten.

 

Die Tagung hat deutlich gezeigt: Ja, der Fußball ist immer noch wichtig und die Soziale Arbeit mit Fußballfans damit auch! Nicht nur während der Pandemie hat sich die Arbeit der Fanprojekte auf neue Gegebenheiten eingestellt und bewährt. Ein wichtiger Erfolgsfaktor bleibt damit das langfristige, stabile und Spielklassen unabhängige Bekenntnis aller Förderer zur weltweit einmaligen Idee „Fanprojekte nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“.

 

Sophia Gerschel / Christian Keppler

BAG Sprecher*innen