Mai 2026
Die Saison ist vorbei, die Akkus werden aufgeladen und wir freuen uns schon jetzt, wenn es wieder losgeht. Während es nach dem ersten Heimspiel zu Beginn des Jahres sportlich für die Alemannia noch ziemlich düster aussah, wurden unsere Gemüter mit stabilen Leistungen und schönen Toren erhellt. Von März bis Mai begleiteten wir 13 Ligaspiele. Für das Landespokalfinale reichte es diesmal bekanntermaßen leider nicht, so dass die Mannschaft zügig nach dem letzten Heimspiel und mit einem herausragenden 7. Platz in der Abschlusstabelle in den Urlaub entlassen werden konnte.
Von unserer Jugendfahrt nach Mannheim konnten wir zwar jede Menge Eindrücke mit nach Hause nehmen, Punkte aber leider nicht. Aus Saarbrücken entführten die Schwarz-gelben wenigstens einen Punkt, doch in Überzahl und mit einer zielgerichteten Leistung wäre ganz bestimmt ein Sieg möglich gewesen. Dies störte letztlich aber niemanden, denn mit dem Punktgewinn wurde an diesem Abend in den Osterferien der Klassenerhalt gesichert. Unsere dritte Tour zur letzten Auswärtspartie der Saison brachte uns ins nahe Köln und der Alemannia einen ungefährdeten Sieg. Die Länderspielpause in den Osterferien verschaffte uns eine Jugendfahrt inklusive Übernachtung und eine schöne Abwechslung zum Liga-Alltag. In Stuttgart stand das Testspiel Deutschland gegen Ghana an, welches kurz vor dem Abpfiff mit dem Siegtreffer noch glücklich für die deutsche Nationalmannschaft endete. Der eher graue Auftritt minderte den Spaß in unserer Truppe nicht, wenngleich die Erwartungen für ein erfolgreiches Abschneiden bei der kommenden Weltmeisterschaft nicht besonders hoch sein werden. Zu unseren weiteren Aktionen gehörten der Offene Treff im Fanprojekt, Fußballangebote, Billard spielen, ein Kinobesuch, Soccer-Bowling und anlässlich der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ als besonders eindrückliches Highlight der spannende Rundgang durch den Luftschutzbunker in der Scheibenstraße.
Zum Tätigkeitsbereich des Fanprojekts gehören aber gleichfalls Netzwerkarbeit und Fortbildungen. Neben den Vorbereitungen zu den Spieltagen und einem regelmäßigen Austausch mit dem Fanbeauftragten von Alemannia Aachen nahmen wir an den Treffen des Fanbeirats sowie am Klub-Fandialog teil. Inhaltlich ging es bei den Treffen beispielsweise um „Awareness“, die möglichen neuen Stadionverbortsrichtlinien und alles rund um Verein, Fanszene(n) und den Fußball allgemein. Die Jahrestagung der BAG der Fanprojekte führte Mitarbeiter*innen aus 71 Standorten in Deutschland nach Erfurt, der AK U18 Arbeit brachte uns nach Düsseldorf. Duisburg war gleich zweimal „Austragungsort“ kurz nacheinander: für eine Fortbildung von Zweitzeugen e.V. sowie die BAG West Klausurtagung, bei der Hendrik mit Daniela vom Fanprojekt Düsseldorf und Edo vom Fanport Münster ins BAG West Sprecheramt gewählt wurde.
Ausführlichere Berichte und weitere Bilder zur Jahrestagung der BAG der Fanprojekte, zum Rundgang durch den Erinnerungsbunker sowie zur Länderspielfahrt finden sich auf der Homepage des Fanprojekts. Dank der Mittel der staatlichen Soziallotterie Glücksspirale im Rahmen des Projekts „be part of it“, bei dem alle Aktivitäten mit den Teilnehmenden partizipativ geplant, gestaltet und umgesetzt werden, konnten wir unsere Jugendfahrten und Aktionen finanzieren.
13.04.2026
Ligapause, Osterferien, Länderspiel. An einem Montag verschlägt es uns nach Stuttgart, denn im Neckarstadion steht die Partie der deutschen gegen die ghanaische Nationalmannschaft an. Ein weiterer Test vor der im Juni beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA.
Etwas turbulent wird es vor der Abfahrt, denn ein Jugendlicher hat kurzfristig abgesagt. Doch wir wären ja nicht das Fanprojekt, wenn wir nicht noch flott unsere Kontakte für einen Ersatz abtelefonieren würden. Nach ein paar Versuchen klappt es: „Hast du Lust, mit uns zum Länderspiel zu fahren?“ „Hm, ja eigentlich schon. Muss ich nur mit meiner Mutter abklären,“ lautet die leicht verschlafene Antwort. „Wann soll es denn losgehen?“ „Also eigentlich jetzt!“ Eine halbe Stunde später holen wir ihn von Zuhause ab und machen uns auf den Weg. Die Fahrt ist kurzweilig, Hostel-Check-in, etwas speisen und dann ab mit der Straßenbahn zum Spiel. Das Stadion ist ausverkauft und die Erwartungshaltung auf einen souveränen Heimsieg ausgerichtet. Die Gästefans sorgen mit Gesängen und Tänzen für gute Laune, denn für sie ist die Partie etwas ganz Besonderes.
Vor dem Anpfiff legt ein DJ auf und es gibt eine Choreo im deutschen Fanblock. Zwei Vorsänger versuchen, mit den immer gleichen Fangesängen die Stimmung anzufachen. Dies scheitert meist kläglich, was wir unentwegt in alter Statler- und Waldorf-Manier kommentieren. Warum wird versucht, den Support, den wir jedes Wochenende von Ultragruppen beobachten können, künstlich zu kopieren? Die frühe Forderung des Publikums nach Einwechslung von Deniz Undav und das lautstarker Auspfeifen von Leroy Sané bereits vor seinem ersten Ballkontakt machen das Geschehen nicht besser. Der späte Treffer zum 2:1 beschwichtigt die deutschen Fans ein wenig. Angesichts des eher uninspirierten Auftritts, v.a. aber wegen der immer grotesker werdenden Kommerzialisierung, zweifelhafter Wertvorstellungen und der absurden Inszenierung von FIFA und Politik dürfte sich bei vielen Menschen aber keine richtige Vorfreude auf die Weltmeisterschaft einstellen.
Die Fahrt war trotzdem top, den teilnehmenden Jungs hat es richtig Spaß gemacht und wir haben viel gelacht. Das lag auch an „der bestimmt schlimmsten Pizzeria der Welt“. Doch das ist eine andere Geschichte.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) April 2026
Stadionverbote müssen zielführend, transparent und verhältnismäßig sein
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) sieht den aktuellen Entwurf der neuen Stadionverbotsrichtlinien kritisch. Stadionverbote sind ein tiefer Eingriff in Entwicklungsprozesse junger Menschen und damit ein Thema, das unmittelbar mit dem sozialpädagogischen Auftrag der Fanprojekte verbunden ist.
Vorab möchten wir allerdings klarstellen: Diese Pressemitteilung steht in keinem Zusammenhang zu den Ereignissen der letzten Spieltage, sondern stellt eine Gesamtbetrachtung der in Überarbeitung befindlichen neuen Stadionverbotsrichtlinien dar. Fanprojekte begleiten seit vielen Jahren die Entwicklung der Stadionverbotsrichtlinien und haben in diesem Prozess immer wieder auf die Bedeutung von Prävention und Verhältnismäßigkeit hingewiesen. Wir verstehen unsere Aufgabe darin, die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen positiv zu begleiten. Dies ist auch im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) verankert. Im aktuellen Überarbeitungsprozess der Richtlinien waren die Beteiligungsmöglichkeiten der Fanprojekte aus Sicht der BAG unzureichend. Zwar konnten wir zu den Folgen des im Januar vorgelegten Entwurfs Stellung nehmen und kritische Hinweise geben, eine echte inhaltliche Mitwirkung fand jedoch nicht statt. Auch bestehende Strukturen, Netzwerke und Fanorganisationen wurden nicht ausreichend einbezogen. Das Verfahren ist aus unserer Sicht kaum transparent: Es ist nicht nachvollziehbar, wer wann über welche Inhalte entscheidet und auf welcher Grundlage fachliche Perspektiven berücksichtigt werden.
Die sozialpädagogische Haltung der Fanprojekte unterscheidet sich grundlegend von einem rein sicherheitsbehördlichen Präventionsverständnis. Prävention bedeutet für uns auf Grundlage des SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz), nachhaltige Verhaltensveränderungen durch individuelle Ansprache und Begleitung zu ermöglichen. Der bloße Ausschluss von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erreicht dieses Ziel nicht. Gerade im Alter zwischen Jugend und Erwachsensein kann ein Stadionverbot die Persönlichkeitsentwicklung massiv beeinflussen und im schlimmsten Fall zu Rückzug, Verhärtung oder Misstrauen gegenüber rechtlichen Normen und Institutionen führen. Deshalb muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob pädagogische Maßnahmen nicht geeigneter und zielführender wären als ein Ausschluss. Wir lehnen es deshalb ab, die Vergabe eines Stadionverbots ausschließlich an der Schwere der vermeintlichen Tat zu orientieren. Die BAG fordert daher konkret:
Stadionverbote dürfen nicht zu einem Instrument von Ausgrenzung werden. Sie müssen transparent, verhältnismäßig und zielführend begründet sein. Nur so können sie in einem sinnvollen Verhältnis zu den Zielen von Prävention, Entwicklung und gesellschaftlicher Teilhabe stehen.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) 31.03.2026
Zur Leitfrage: „Wie gelingt sozialpädagogische Fanarbeit zwischen dem Stadion und der Alltagsrealität junger Fußballfans?“, trafen sich vom 23. bis 26. März 2026 120 Mitarbeitende der 71 Fanprojekte zu ihrer 32. Jahrestagung in Erfurt. Bereits am Montag konnten die bereits angereisten Fachkräfte zwischen Kiel und Freiburg, Mönchengladbach, Aachen und Cottbus an einem Vortrag zum Thema „Nur der RWE – Fußballfans im Visier der Stasi“ teilnehmen. Zudem gab es am Dienstagvormittag die Möglichkeit die Stadt Erfurt zu erkunden mit einer Führung zu dem Erinnerungsort „Topf & Söhne (Ofenbauer von Auschwitz)“ und einer Führung zur friedlichen Revolution in Erfurt 1989.
Doch nicht nur die Fachkräfte kamen zusammen. Auch Vertreter*innen aus Sport, Politik, Wissenschaft und Fanorganisationen waren am Dienstagnachmittag eingeladen. Begrüßt wurde auch die Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, Katharina Schenk, deren Ministerium für die beiden thüringischen Fanprojekte den Landesanteil übernimmt. Die Ministerin betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung der Jugendhilfe im Sozialraum Fußball. Grußworte hielten auch der Sportbeauftragte der Stadt Erfurt, René Hofmann, Eric Roda Gracia als Vertreter der DFL, Christina Gassner für den DFB und Michael Gabriel für die Koordinationsstelle Fanprojekte bei der dsj. Danach stand dabei vor allem eines im Mittelpunkt: der intensive Austausch zu aktuellen Entwicklungen rund um den Fußball, Fankultur und unsere sozialpädagogische Arbeit. Neben einer Podiumsdiskussion zur Versachlichung der aktuellen Debatte rund um Stadionsicherheit und Fankultur mit dem Leiter der ZIS, Michael Madre, Stephanie Moldenhauer von der KoFaS, Christian Kabs vom Fanprojekt Dresden und Thomas Kirschner, Sprecher der Fanbeauftragten, bot die Tagung zahlreiche Workshops, u. a. zu Themen wie Distanzierungsarbeit, psychosoziale Problemlagen oder rechtliche Fragestellungen. Dabei wurde einmal mehr deutlich: Fanarbeit findet nicht nur am Spieltag statt, sondern begleitet junge Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen. Dies verdeutlichte auch das Motto der diesjährigen Tagung – „Zwischen Anpfiff und Alltag“.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt war die Auseinandersetzung mit geplanten Verschärfungen im Bereich der Stadionverbote. Hier wurde aus fachlicher Perspektive kritisch diskutiert, welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf die Fankultur und unsere Arbeit haben können. Im Rahmen der Tagung wurde zudem eine weitere langjährig engagierte Persönlichkeit – Ralf Zänger ehemaliger Leiter des Fanprojekt Bochum, langjähriger Sprecher der BAG-Fanprojekte und Mitgründer der AG Quali – als Ehrenmitglied der BAG geehrt. Damit würdigte die BAG seinen besonderen Einsatz für die Entwicklung und Stärkung der Fanprojektarbeit in Deutschland. An dieser Stelle erinnern wir auch an die Ehrenmitglieder Heino Hassler und Ole Wolff, die ebenfalls 2025 posthum zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Ein besonderer Dank wurde außerdem Volker Körenzig, Sophia Gerschel und Sebastian Staneker ausgesprochen. Ihr Engagement im Zusammenhang mit dem Verfahren gegen das Fanprojekt Karlsruhe wurde von den Teilnehmenden ausdrücklich gewürdigt.
Die Jahrestagung machte deutlich: Die sozialpädagogische Fanarbeit steht weiterhin vor großen Herausforderungen, bleibt jedoch ein unverzichtbarer Bestandteil für ein respektvolles und solidarisches Miteinander im Fußball. Großer Dank geht an das Fanprojekt Erfurt und den Ostverbund der BAG für die Organisation und Gastfreundschaft.
Internationale Wochen gegen Rassismus Aachen, 23.03.2026
Aufnahmeort: Hochbunker, Scheibenstraße 34
Anlässlich der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ bot das Fanprojekt Aachen für Alemannia-Fans einen spannenden Rundgang durch den Luftschutzbunker in der Scheibenstraße an. Zu unserer Freude war diese Veranstaltung rasch ausgebucht.
Der Bunker gehört zu einer Reihe von Luftschutzanlagen, die ab 1941 in Aachen entstanden. Gebaut von Zwangsarbeitern gewährte er der Zivilbevölkerung inmitten des Zweiten Weltkrieges Schutz und wurde nach Kriegsende als Wohnraum genutzt. In seiner baulichen Gegebenheit konnte er noch weitgehend im Originalzustand erhalten bleiben. Anschaulich und liebevoll wurden einzelne Räume in den letzten paar Jahren so gestaltet, dass sie die Besucher*innen an frühere Zeiten erinnern. Der Bunker als ein Ort unglaublichen Leids, aber auch letzter Zufluchtsort und Ort neuer Hoffnung ist heute Denkmal und Mahnmal zugleich. In mehr als zwei Stunden führte uns Matthias von „Mattchös Verzällche Touren“ durch die verschiedenen Etagen des riesigen Betonbauwerks. Mit seiner unnachahmlichen Art erhielten wir nicht nur jede Menge historische Fakten, sondern bekamen eine ungefähre Vorstellung, wie die Lebensbedingungen damals waren oder wie sich Menschen, die von Krieg bedroht sind, heutzutage fühlen müssen. Mal schlüpfte unser Tourguide lautstark in die Rolle eines Aufsehers, dann ordnete er die Befehle eines Generals ein. Immer wieder zog er uns in seine Rückschau mit ein: ungewöhnlich, prägnant und anregend.
Erinnern, aufklären und Haltung zeigen sind in dieser Zeit aufgrund aktueller Konflikte, Kriege und politischer Entwicklungen wichtiger denn je. Die bundesweiten Aktionswochen finden rund um den 21. März, dem Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung, statt. Dieser Gedenktag geht auf das Massaker im südafrikanischen Township Sharpeville im Jahre 1960 zurück, bei dem 69 Menschen, die friedlich gegen die Apartheid demonstriert hatten, von Polizisten erschossen wurden. Das Fanprojekt Aachen setzt sich für demokratische Werte, Respekt, Vielfalt, Gleichberechtigung, Toleranz und Zusammenhalt ein. Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung sollte in unserer Gesellschaft konsequent begegnet werden. Worin Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit letztlich münden, zeigte die sehr anschauliche Bunkerführung. Interessierten ist solch ein Rundgang, der kostenpflichtig regelmäßig durch den Veranstalter angeboten wird, sehr zu empfehlen. Informationen gibt es unter den nachfolgenden Links.
Aachen, 10.03.2026
Aachen, 03.03.2026
Anlässlich der diesjährigen "Internationalen Wochen gegen Rassismus" bietet das Fanprojekt Aachen in Kooperation mit Alemannia Aachen Interessierten einen spannenden Rundgang durch den Bunker in der Scheibenstraße an. Dieser gehört zu einer Reihe von Luftschutzanlagen, die ab 1941 in Aachen entstanden. In seiner baulichen Gegebenheit noch weitgehend im Originalzustand erhalten ist er Denkmal und Mahnmal zugleich. Gebaut von Zwangsarbeitern war der Bunker Schutzraum für die Zivilbevölkerung während des Zweiten Weltkrieges und Wohnraum nach dem Krieg. Ein Ort unglaublichen Leids aber auch letzter Zufluchtsort und Ort neuer Hoffnung nach dem Krieg.
Das Fanprojekt Aachen setzt sich für demokratische Werte, Respekt, Vielfalt, Gleichberechtigung, Toleranz und Zusammenhalt ein. Wozu Rassismus, Antisemitismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit führen, zeigt der sehr anschaulichen Rundgang durch den Bunker in der Scheibenstraße. Dort erhalten wir nicht nur geschichtliche Fakten, sondern können uns auch eine ungefähre Vorstellung machen, wie die Lebensbedingungen damals waren oder wie sich Menschen, die von Krieg bedroht sind, heutzutage fühlen. Erinnern und Aufklären, das ist in dieser Zeit aufgrund aktueller Konflikte, Kriege und politischer Entwicklungen wichtiger denn je.
Wann: Mittwoch, den 18.03.2026
Wo: Erinnerungsbunker Scheibenstraße 34
Beginn: 18.00 Uhr
Dauer: ca. 120 Minuten
Alter: ab 15 Jahren
Die Teilnahme ist kostenlos.
Wichtige Hinweise:
Wir bitten um vorherige und verbindliche Anmeldung per Mail an [email protected] bis zum 13.03.2026. Die Anzahl der Plätze bei dieser Veranstaltung ist begrenzt. Außerdem empfehlen wir den Teilnehmenden, warme Kleidung anzuziehen, da es im Bunker sehr kühl ist.
Internationale Wochen gegen Rassismus (16.-29.03.2026)
Rund um den 21. März, dem "Internationalen Tag zur Überwindung von Rassendiskriminierung", finden bundesweite Aktionswochen der Solidarität mit Betroffenen von Rassismus statt. Der Gedenktag geht auf das Massaker im südafrikanischen Township Sharpeville im Jahre 1960 zurück, bei dem 69 Menschen, die friedlich gegen die Apartheid demonstriert hatten, von Polizisten erschossen wurden. Die "Internationalen Wochen gegen Rassismus", die in diesem Jahr vom 16. bis zum 29. März dauern und unter dem Motto „100% Menschenwürde. Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ stehen, bieten Raum für zahlreiche Veranstaltungen wie Workshops, Lesungen und Konzerte, um Vielfalt zu fördern und Zeichen gegen Hass, Rassismus, Antisemitismus sowie gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu setzen.
Aachen, März 2026
Die ersten zwei Monate des Jahres sind vorbei. Mit Ende des Februars hat sich das usselige Wetter glücklicherweise vorerst verabschiedet. 7 Ligaspiele und 1 Pokalspiel liegen hinter uns. Nach sportlich schwierigen Monaten zuvor und einem katastrophalen Rückrundenauftakt ist die Stimmung rund um die Alemannia nun wieder deutlich positiver und die Leistungen auf dem Platz wesentlich besser. Das Pendel bewegt sich zwischen „überzeugend“ und „schade, da wäre mehr drin gewesen“. Nun heißt es weiter „Punkte sammeln“, damit die Klasse gehalten wird. Obwohl der Start ins Jahr traditionell aufgrund von Wetter, Winterpause und Karneval eher etwas ruhiger ist als andere Zeiträume, war unser Terminkalender gut gefüllt: Teilnahme am NRW Hallenmasters der Fanprojekte in Duisburg als erster Veranstaltung des Jahres, unser Dauerangebot „Montagskick“, Spielbegleitungen, Netzwerkarbeit, BAG-West-Tagung in Wuppertal, die „Soccer Science Days“ in Dortmund und die „DFL- / DFB-Regionalkonferenz“ in Frankfurt, Einzelgespräche, Gruppentreffen und der Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau als besonders intensive Erfahrung.
Zwei Jugendfahrten führten uns in die Rhein-Neckar-Region. Während unsere jungen Alemannen bei der Hoffenheimer Zweitvertretung einen ganz wichtigen Sieg für ihren Herzensverein im Januar bejubeln durften, wurde die Partie bei Waldhof Mannheim leider knapp verloren. Tags zuvor hatten wir das Fußball-Wochenende am „Bieberer Berg“ eingeläutet. Die Begegnung der beiden ehemaligen Bundesligisten Kickers Offenbach gegen die Stuttgarter Kickers lieferte jedoch nur torlose Magerkost und wenig spielerische Klasse. Von der Stadt am Main ging es direkt weiter nach Heidelberg mit schnellem Check-In im Hotel. In einer Vereinsgaststätte stärkten wir uns dann stilecht mit Currywurst und Pommes, erzählten viel und verfolgten nebenbei auf dem Bildschirm das Topspiel der Bundesliga. Attraktiver, hochklassiger Fußball und schöne Tore, doch das Endergebnis bedeute schließlich das Ende aller möglicher Spannung um die Meisterschaft. Den Abend ließen wir mit der Einkehr in eine urige Gaststätte, in der wir auf andere Aachener trafen, und einem langen Spaziergang durch die „Perle am Neckar“ ausklingen. Nach ausgiebigem Frühstück machten wir uns am nächsten Morgen auf die letzte und wichtigste Station des Wochenendes: das Carl-Benz-Stadion in Mannheim. Offenbach hin, Dortmund her, drei Punkte für Alemannia sollten es gegen den Waldhof sein. Eine richtig gute Halbzeit und lautstarker Support von ca. 1.700 Aachener*innen reichten leider nicht aus. Das Spiel wurde knapp verloren. Staufreie Fahrt, sonniges Wetter, gut gegessen, gut geschlafen, viel gelacht, interessante Gespräche geführt und eine schöne Zeit gehabt. Alles perfekt bis auf die Ergebnisse.
Ausflüge in Aachen und der Region durften aber auch nicht fehlen. Zum ersten Mal probierten wir die Laserzone in Würselen aus. Beim sogenannten „Lasertag“ müssen Spieler*innen ihre Mitspieler*innen durch Infrarotsignalen markieren, um Punkte zu sammeln. Das actionreiche Game kommt besonders gut bei Jugendlichen an und macht eine Menge Spaß. Auf bekanntes Terrain begaben wir uns an einem anderen Tag in der Derbyarena in Kohlscheid. Dieses Mal nicht im Rahmen vom „Montagskick“, sondern an einem Mittwoch. Die teilnehmenden Jungs hatten sich diesen Extra-Termin zum gemeinsamen Kicken gewünscht. Nachdem wir in einem Café ein paar Runden Billard gespielt hatten, verbrachten wir einen interessanten Abend im Apollo-Kino. Dort wurde der Film „Abpfiff am alten Tivoli“ im Rahmen des 125jährigen Jubiläums von Alemannia Aachen gezeigt. Ein Klassiker für die schwarz-gelben Fans aus der Kaiserstadt. Begleitet wurde der Kinoabend durch eine Talkrunde, u.a. mit einem ehemaligen Spieler und dem legendären Stadionsprecher, sowie dem ein oder anderen Anekdötchen. Leider gab es an diesem Tage ein paar kurzfristige Absagen, so dass unsere Gruppe beim Billard und im Kino kleiner als geplant war. Auch so etwas kommt manchmal vor, aber schmälert diesen netten Abend keineswegs.
Unsere beiden Jugendfahrten nach Hoffenheim und Mannheim sowie unsere Ausflüge in die Laserzone, die Soccerhalle, zum Billard und ins Kino konnten wir durch Mittel der staatlichen Soziallotterie Glücksspirale im Rahmen des Projekts „be part of it“, bei dem alle Aktivitäten mit den Teilnehmenden partizipativ geplant, gestaltet und umgesetzt werden, finanzieren.
Aachen, 31.01.2026
Beim Blick in den Rückspiegel merken wir jedes Mal, dass so ein Jahr nicht nur mit neunzehnhundert Sachen an uns vorbeigerauscht ist, sondern dass mindestens gleich viele Dinge passiert sind: in der Fanszene, im Fußball allgemein, im Netzwerk und rund um den Verein sowieso. Das Fanprojekt Aachen schaut wieder auf ein sehr ambivalentes Jahr. So präsentierte sich unser Bezugsverein abseits des Rasens zunächst zwischen falschem Film, Comedy-Programm und ausgiebigem Stoff für eine Streaming-Serie. Dann wurde zwar nicht alles gut, doch entwickelte sich die Alemannia glücklicherweise in eine deutlich positivere Richtung. Jetzt wünschen wir uns, dass es für die Schwarz-gelben auch auf dem Platz wieder aufwärtsgeht.
Trotz Schwierigkeiten und vielen anstrengenden Momenten gab es in den vergangenen Monaten zweifelsfrei auch viele Lichtblicke, anregende Gespräche und schöne Erlebnisse mit Fans, Kolleg*innen sowie Netzwerkpartner*innen. Im Jahresrückblick 2025 informieren wir mit ausgewählten Impressionen über unsere Arbeitsinhalte. Unsere Texte können dabei selbstverständlich nur einen kleinen Ausschnitt wiedergeben. Die aktuelle Broschüre, die in erster Linie als Tätigkeitsnachweis für Förderer*innen und Unterstützer*innen gedacht ist, steht der Öffentlichkeit zur Ansicht und zum Download auf unserer Homepage zur Verfügung.
Fotos: Fanprojekt Aachen, Jerome Gras, Karlsbande Ultras
Erinnerungstag im deutschen Fußball 29.01.2026
Anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus und in Verbindung mit dem Auswärtsspiel von Alemannia Aachen bei 1860 München besuchten wir die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau. Nachdem wir bereits im Vorjahr im Rahmen einer eigenen Fahrt mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen an diesem Ort waren, begleiteten wir diesmal eine altersgemischte Gruppe von Fans. Während eines 2,5 stündigen Rundgangs sowie dem individuell gestalteten Aufenthalt in einer umfangreichen Ausstellung erhielten wir einen eindrücklichen Einblick in das Leben, Leiden und Sterben der dort gefangenen Menschen zwischen 1933 und 1945. Ein Ort, der sehr nachdenklich macht und berührt. Aufgrund des Nebels, der eisigen Kälte und der Stille an diesem Tage vielleicht sogar noch einmal mehr. Die KZ-Gedenkstätte Dachau zu besuchen, ist im "Arbeitskreis Nie wieder", der 2025 initiiert wurde und dem neben Vertretern des Vereins und des Fanprojekts weitere Netzwerkpartner*innen angehören, entstanden. Organisiert wurde das Angebot durch Alemannia Aachen.
Erinnerungstag im deutschen Fußball 27.01.2026
Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit. Jedes Jahr rund um diesen Tag gedenkt die Fußballfamilie an den Spiel- und Turniertagen der verfolgten, deportierten und ermordeten Menschen im Nationalsozialismus.
Die Rolle des Sports im NS
Das NS-Regime hat sich den Sport auf unterschiedliche Weise zu Nutze gemacht: Sport diente dazu, die Arbeitsmoral und Kriegstüchtigkeit zu steigern und die Freizeitgestaltung zu normieren. Besonders zynisch zeigte sich die Rolle des Sports in den Konzentrationslagern. Einerseits sollte er dort für die Unterhaltung der KZ-Aufseher sorgen, gleichzeitig war der Sport Vernichtungsinstrument - unterernährte Menschen wurden zu Leibesübungen gezwungen, bis sie vor Erschöpfung zusammen brachen. Und nicht zuletzte diente er als Propagandamittel. Die Olympischen Spiele vor 90 Jahren waren ein Paradebeispiel dafür, wie die Nazis sportliche Großereignisse dafür nutzten, ihre Macht zu demonstrieren und ihre Ideologie zu verankern - auch über die Landesgrenzen hinaus. In “Vorbereitung” der Sommerspiele 1936 in Berlin wurden nicht nur Hunderte Antifaschist*innen verhaftet, um Protestaktionen zu verhindern. Es wurden außerdem rund 600 Sinti*zze und Rom*nja von der Polizei aus ihren Wohnungen und Wohnwagen geholt und in das Zwangslager Marzahn deportiert, welches später als Sammelstelle für Deportationen in Konzentrationslager wie Auschwitz diente. Damit wurden die Olympischen Spiele auch als Vorwand zur Umsetzung der rassistischen Verfolgungspolitik des NS-Regimes genutzt.
Sport und Fußball - unpolitisch?
Wie nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche hat sich auch der Sport dem politischen System des Nationalsozialismus teils bereitwillig untergeordnet. Die Vielfalt an Sportverbänden, die sich einst aus jüdischen, konfessionellen, bürgerlichen und Arbeiter*innenverbänden zusammensetzte, wurde ausgedünnt und gleichgeschaltet. Widerstand kam fast ausschließlich aus den Arbeiter*innenvereinen, wobei viele Sportler*innen bereits 1933 inhaftiert und einige von ihnen ermordet wurden. Durch Wegschauen einerseits, aber auch durch aktives Handeln im Sinne der NS-Ideologie, haben Vereine und Verbände die menschenverachtenden Verbrechen des Staates unterstützt - oft unter dem Vorwand, Sport sei unpolitisch. So enthoben Fußballvereine teilweise in vorauseilendem Gehorsam jüdische Spieler ihrer Ämter und schlossen sie aus dem Verein aus. Dabei wurde gerade der Fußball vielfach durch Juden in Deutschland etabliert - nicht zuletzt durch Walter Bensemann, Gründer des Kickers und Mitbegründer des DFB. Viele der führenden Sportfunktionäre blieben auch nach 1945 in ihren Ämtern, was eine Aufarbeitung der Rolle des Sports im NS lange verhinderte, auch hier wieder mit dem gern getragenen Etikett des unpolitischen Sports. Mehr als ein halbes Jahrhundert sollte es dauern, bis (einige) Vereine und der DFB mit der Aufarbeitung ihrer Rolle während der NS-Zeit begonnen haben.
Was hat das heute mit uns zu tun?
Gerade im Fußball hält sich die Behauptung hartnäckig, der Sport müsse politisch neutral sein. Dieses Argument wird oft angeführt, wenn Fans sich gegen Rassismus, Antisemitismus oder Homophobie engagieren. Die Absurdität ist, dass gerade antidemokratische Akteur*innen meist ihre Funktionen in den Organisationen nutzen, um ihre politische Ideologie zu verbreiten. Die Geschichte lehrt, dass Sport und Fußball nicht isoliert von ihrer politischen Umgebung existieren. Als politische Institutionen müssen Sportvereine demokratische Grundwerte leben: Mitbestimmung, Gleichberechtigung, Partizipation. Sie müssen allen Mitgliedern, unabhängig ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung, dieselben Chancen einräumen, am Sportgeschehen teilzunehmen. Diese demokratischen Werte sind in Gefahr, wenn demokratiefeindliche Akteur*innen ihre Ideen teilen und Einfluss ausüben können.
Was kann die Fußballfamilie tun?
Der Fußball mit seiner Strahlkraft hat nicht nur das Potenzial, Millionen zu erreichen - er trägt auch die Verantwortung, unsere demokratischen Werte zu leben und zu verteidigen. Welche Lehren sollten wir aus der Rolle des Sports im NS heute ziehen? Wem nutzt ein Festhalten am Narrativ des unpolitischen Sports? Kennt ihr die Geschichte eures Vereins? Entwickelt Strategien damit umzugehen und diese aufzuarbeiten! Gab es aktiven Widerstand innerhalb eures Vereins? Hebt historische Personen hervor, die nicht weggeschaut haben, die sich für andere eingesetzt haben! Schaut hin, hört zu und überlegt: Was können wir tun? Die Worte Walter Frankensteins, 2025 verstorbener Überlebender der Shoah und Fan von Hertha BSC, sollten uns nicht nur zu denken geben, sondern unser tägliches Handeln bestimmen: „Demokratie muss jeden Tag neu erkämpft werden, besonders in der jetzigen Zeit.“
Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) November 2025
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) beobachtet die Diskussion um die Stadionsicherheit seit geraumer Zeit und sieht sich gezwungen, die aktuellen Verlautbarungen und Vorhaben einzuordnen und zu kommentieren.
Erstens: wir halten die am 18. Oktober 2024 geäußerte Grundannahme, dass die Sicherheit in den Fußballstadien nicht ausreichend gewährleistet ist, für falsch: Die in den vergangenen drei Jahren stark steigenden Zuschauer*innenzahlen dokumentieren, dass sehr viele Menschen ohne Angst in die Stadien strömen. Auch die Zunahme bei den jüngeren Altersgruppen spricht dafür. Die von der Deutschen Fußballliga (DFL) in Auftrag gegebene Umfrage belegen ebenso, dass sich über 90% der Stadionbesucher*innen sicher fühlen. Zudem zeigen die aktuellen Polizeistatistiken (ZIS Bericht Oktober 2025), dass trotz steigender Zuschauerzahlen die Gewalttaten und Verletztenzahlen beim Fußball abnehmen und sogar weniger Polizeibeamte eingesetzt werden mussten. Folglich sind die Fußballstadien in Deutschland sicher!
Zweitens finden wir es problematisch, dass die Innenminister- und Sportministerkonferenzen das für die angesprochenen Themen zuständige Gremium (NASS), in dem sie jeweils mit Sitz und Stimme vertreten sind, umgehen und in einer Parallelstruktur (BloAG) intransparent Dinge erarbeiten, die originär im Nationalen Ausschuss Sport und Sicherheit (NASS) behandelt werden müssen. Der NASS wurde vor über 30 Jahren eingerichtet, um die Stadien sicherer und vielfältiger zu machen. Die BAG der Fanprojekte ist ein beratendes Mitglied. Die Entwicklung rund um die Fußballstadien zeigt, dass diese Arbeit auf breiter Front erfolgreich ist. Die angedachten Maßnahmen ignorieren die Erfolge der letzten drei Jahrzehnte!
Drittens ist es fragwürdig, dass zum wiederholten Mal die Fans als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt nicht mit einbezogen wurden. Auch wenn diese seit vielen Jahren konstruktiv an den Themen (u.a. Stadionverbote, Pyrotechnik) arbeiten, wird auf deren Expertise verzichtet, obwohl deren Einbindung auf der Pressekonferenz des Sicherheitsgipfels am 18.10.2024 angekündigt wurde. Fans sind sich ihrer Verantwortung für alle im Stadion bewusst und sie tun alles, um die nicht
organisierten Zuschauer*innen mitzunehmen. Flugblätter, selbst gefertigte Spieltagshefte und Fanzines gibt es in fast jedem Stadion. Club-Fan-Dialog-Formate sind in den ersten drei Ligen Pflichtaufgabe der Vereine und werden dort, wo sie einladend gestaltet werden, gerne angenommen. Die Verbände haben ihre eigenen Dialog-Formate und arbeiten daran, diese stetig zu
verbessern. Es gibt die Kommission Fans und Fankulturen im DFB, in der von den Fanorganisationen engagiert diskutiert und gestritten wird, immer darum bemüht, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Auch die BAG der Fanprojekte ist Teil der oben genannten Kommission und steht seit Jahrzehnten für Dialog und Erfahrungswissen.
Mit der Demonstration unter dem Motto „Der Fußball ist sicher!“ am 16.11.2025 in Leipzig, zu der innerhalb von wenigen Tagen eine fünfstellige Zahl an Teilnehmenden aus ganz Deutschland mobilisiert wurde, setzten die Fanszenen ein starkes Zeichen für ein sicheres Stadionerlebnis und ihre Fankultur und brachten ihre Anliegen für Fan- und Bürgerrechte demokratisch auf die Straße. Wir begrüßen die Forderungen der Fans nach Versachlichung der Debatte und plädieren dafür, dass die Diskussion da geführt wird, wo sie hingehört. Automatische bundesweite Stadionverbote bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens und personalisierte Eintrittskarten tragen nicht zur Verringerung der Polizeieinsatzstunden bei.
Eine ausführliche Sammlung an Stellungnahmen, Links und Texten haben unsere Kollegen aus Münster zusammengestellt:
Eine Petition der Fanszenen Deutschlands mit dem Titel " Der Fußball ist sicher - Schluss mit Populismus! Ja zur Fankultur (gültig bis 3.12.2025, Stand 18.11.2025) findet sich hier:
Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) 22.10.2025
Einstellung des Verfahrens gegen Mitarbeitende des Fanprojekts Karlsruhe gegen Geldauflage - BAG fordert weiterhin zeitgemäße gesetzliche Regelung
Die BAG der Fanprojekte nimmt die Einstellung des Berufungsverfahrens gegen die Mitarbeitenden des Fanprojekts Karlsruhe gemäß §153a Abs. 2 StPO kritisch zur Kenntnis. Die Einstellung gegen Geldauflage beendet zwar das laufende Verfahren ohne Urteil und Strafe, lässt jedoch zentrale Fragen für die Soziale Arbeit und insbesondere für die Fanarbeit unbeantwortet. Wie uns die zahlreich – aus der ganzen Republik – angereisten Kolleg*innen in Gesprächen an diesem Tag bestätigten, ändert sich mit dem Ausgang des Verfahrens nichts an ihren Unsicherheiten und der unklaren Rechtslage, die damit verbunden ist! Die Befürchtungen bleiben bestehen, in einem ähnlichen Fall selbst ins Visier der Strafverfolgungsbehörden zu geraten. Die Mitarbeitenden des Fanprojekts Karlsruhe wurden in erster Instanz wegen versuchter Strafvereitelung angeklagt, weil sie im Sinne ihres sozialpädagogischen Auftrags die Verschwiegenheit gewahrt haben. Die Einstellung des Verfahrens bedeutet für die Betroffenen zwar eine erhebliche finanzielle Last, aber auch eine psychische Entlastung nicht mehr auf der Anklagebank sitzen zu müssen, und für die Bundespolitik einen klaren Auftrag! Die BAG fordert weiterhin ein ausdrücklich gesetzlich verankertes Zeugnisverweigerungsrecht für die Soziale Arbeit. Solange dieses fehlt, sind Fachkräfte in Fanprojekten und sonstigen Bereichen der Sozialen Arbeit weiterhin dem Risiko rechtlicher Verfolgung ausgesetzt, wenn sie das für erfolgreiche Präventionsarbeit nötige Vertrauen schützen. Stefan Roggenthin, Sprecher der BAG, sagt dazu: „Die BAG dankt allen Unterstützenden, insbesondere den Fanszenen, die sich in den Stadien solidarisch gezeigt haben. Wir stehen weiterhin an der Seite von Sophia, Volker und Stan und fordern die Politik mit Nachdruck auf, zeitgemäße rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen.“
Bündnis für ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit 16.10.2025
Ausgang im Karlsruher Verfahren sendet deutliches Signal an Bundespolitik
Heute wurde das Berufungsverfahren gegen drei beschuldigte Sozialarbeiter*innen des Karlsruher Fanprojekts wegen des Verdachts der Strafvereitelung am Landgericht Karlsruhe gegen Auflagen eingestellt. In seinen Eröffnungsworten betonte der vorsitzende Richter Peter Stier das bestehende rechtliche Dilemma des fehlenden Zeugnisverweigerungsrechts, welches jedoch auf politischer Ebene und nicht in diesem Verfahren zu klären sei. Bündnis fordert Klarheit vom Gesetzgeber „Als Bündnis für ein Zeugnisverweigerungsrecht sind wir vor allem weiterhin davon überzeugt, dass sich unsere Kolleg*innen nicht schuldig gemacht haben“, erklärt Georg Grohmann, Sprecher des „Bündnisses für ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Sozialen Arbeit“ (BfZ). Er verweist auf das Signal, das von dem heutigen Verfahren ausgeht: „Die ausgetauschten Argumente und der heute gefundene Kompromiss nehmen den Gesetzgeber in die Verantwortung, hier endlich Rechtssicherheit für staatlich organisierte Hilfe zu gewährleisten. Die vorhandene Unsicherheit innerhalb der Sozialen Arbeit in Deutschland muss ernst genommen werden.“ Durch die Einstellung des Verfahrens blieben zentrale Fragen bezüglich der Strafvereitelung und der Relevanz der von der Staatsanwaltschaft verlangten Aussagen für ihre Ermittlungsverfahren offen. Über ihre Verteidiger*innen machten die Sozialarbeiter*innen deutlich, dass die Zustimmung zur Einstellung des Verfahrens kein Schuldeingeständnis sei. Matthias Stein, ebenfalls Sprecher des BfZ, erklärt: „Mit Blick auf den Druck und die Belastung unserer Kolleg*innen sind wir sehr froh, dass das Verfahren nun beendet ist." Auch wenn der Ausgang des Verfahrens aus Sicht des BfZ darauf verweist, in ähnlichen Fällen aufgrund der bestehenden rechtlichen Unklarheit konstruktive Lösungen zu suchen, um die Soziale Arbeit zu schützen, kann er für die Soziale Arbeit aber nicht zufriedenstellend sein. „Die nächsten Sozialarbeiter*innen in solch einer Situation werden erneut von der notwendigen Einsicht der Ermittlungsbehörden und Richter*innen abhängig sein. Fehlt diese, sind wieder Angebote Sozialer Arbeit und ganz konkret Kolleg*innen strafrechtlich bedroht“, problematisiert Stein die weiterhin bestehende Lage. Ermittlungen hinterlassen Vertrauensverlust und Unsicherheit Als BfZ erkennen wir die Lösungssuche des vorsitzenden Richters im heutigen Prozess an. Die Staatsanwaltschaft hat mit der durchaus überraschenden Zustimmung zur Einstellung ihre bisherige rigorose Linie verlassen. Gleichzeitig darf es aber nicht sein, dass die Verantwortung weiterhin auf die jeweiligen beteiligten Akteur*innen von Polizei, Sozialer Arbeit, Staatsanwaltschaften und Gerichten verschoben wird, um die Soziale Arbeit zu schützen. Die gesamten Ermittlungsverfahren und Prozesse haben im Kontext der Fanprojekte enormen Schaden verursacht und für riesige Unsicherheit in der gesamten Sozialen Arbeit gesorgt. „Dass Sozialarbeiter*innen als Privatpersonen dafür haften müssen, ihre Arbeitsgrundlage zu schützen, ist und bleibt ein Skandal“, betont Grohmann und verweist damit nicht nur auf die hohen Geldstrafen zwischen 1.500 und 3.150 €, die den Kolleg*innen auferlegt wurden. Stein fasst abschließend zusammen: „Rechtssicherheit wird es für die Soziale Arbeit erst mit einem Zeugnisverweigerungsrecht geben. Dieses zu konkretisieren, ist und bleibt Aufgabe des Gesetzgebers. Das Bündnis für ein Zeugnisverweigerungsrecht wird sich hier weiter aktiv in die Debatte einbringen.“
Auf Ballhöhe - Fußball * Jugend *Kultur Aachen, September 2025
Alemannia Aachen. Eine traditionsreiche Vereinsgeschichte im Zeitraffer.
Der traditionsreiche Alemannia Aachen Turn- und Sportverein 1900 e.V. feiert Ende des Jahres seinen 125. Geburtstag. Aus diesem Anlass haben sich einige begeisterte Alemannen zusammengetan und eine umfangreiche Vereinschronik zusammengestellt. Vor Erscheinen dieses Meisterwerk geben Lutz van Hasselt, seines Zeichens Multifunktionskraft bei seinem Herzensverein und lebendes Vereinslexikon, sowie sein Mitstreiter Michael Bremen Interessierten im Fanprojekt eine Übersicht der Historie des TSV von den Anfängen bis heute. Jede Menge Anekdoten sowie Informationen über Wappen, Trikots, Spielstätten, Spieler, Triumphe und Tragödien versprechen spannende 90 Minuten und einen interessanten Abend.
Datum: Donnerstag, 09.10.2025
Einlass: 18.00 Uhr
Beginn: 19.00 Uhr
Ort: Fanprojekt Aachen, Am Gut Wolf 7, 52070 Aachen
Sonstiges: Die Veranstaltung ist kostenlos. Wegen des begrenzten Platzangebots im Fanprojekt bitten wir um vorherige Anmeldung unter [email protected]
Über die Vereinschronik von Alemannia Aachen: „Alemannia Aachen wird in diesem Jahr 125 Jahre alt. Aus diesem Grund hat sich eine engagierte Gruppe von Menschen mit schwarz-gelben Herzen zusammengefunden, um diesen außergewöhnlichen Geburtstag mit einer umfangreichen Dokumentation zu würdigen. Seit weit über einem Jahr wird bereits daran gearbeitet. Die Mitarbeiter kommen aus vielen Richtungen, sind teils Alemannia-Mitarbeiter, haben kaufmännischen oder journalistischen Hintergrund, sind professionell in den Bereichen Marketing, Werbung, Fotografie oder Publikation tätig – oder sind auch „nur“ begeisterte Alemannen. (...) Inhaltlich werden die kompletten 125 Jahre Alemannia Aachen mit sämtlichen Spielen dokumentiert, die Vereinsgeschichte wird statistisch gespiegelt und zahlreiche Fotos aus den ersten Tagen bis in die Gegenwart des Jahre 2025 machen die Historie auch optisch nachvollziehbar. Der Leseteil des Doppelbandes umfasst Anekdoten genauso wie sportliche Höhepunkte, Maskottchen, Trikots, Porträts besonders verdienter Alemannen, Triumphe, Tragödien, eine Aufarbeitung der NS-Zeit, Spielstätten, Lieder, Bücher, Trikot- und Wappendarstellungen – kurzum alles, was der Fan sehen und bewahren möchte.“ (Quelle: Aachener Zeitung, 13.06.2025)
Unter folgendem Link gibt es einen kleinen Einblick in die Vereinschronik von Alemannia Aachen, die im November 2025 erscheinen wird.
Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW September 2025
Im Fußball steckt viel Kultur und in der Kultur auch jede Menge Fußball. Die Überschneidung der zwei Welten nutzen die 16 sozialpädagogischen Fanprojekte sowie die angeschlossene Fachstelle der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW (LAG) und präsentieren jährlich im Herbst die FUSSBALL-KULTURTAGE NRW. Präsentiert wird ein vielfältiges Programm zwischen Lesungen, Filmvorführungen, Diskussionen, Ausstellungen, Kinderkino und Workshops. Das Spektrum ist diesmal und anlässlich der 10.Ausgabe der Veranstaltungsreihe vielleicht so groß wie nie zuvor: es geht um unglaubliche Abenteuer, Zeitreisen, ferne Länder, den Sound der Kurve, Entdeckungen, Gefühle, Widerstand und eine ganze Menge mehr. Angesprochen werden bewusst nicht nur eingefleischte Fußballfans, sondern ein möglichst breites Publikum. Mit den FUSSBALL-KULTURTAGEN NRW öffnen die Fanprojekte in NRW sprichwörtlich ihre Tore und laden alle interessierten Besucher*innen zur aktiven Teilnahme ein.
Das gesamte Programm findet sich hier:
Veranstaltungen in Schulen oder für Schulklassen gehören zwar nicht zum Kerngeschäft des Fanprojekts, doch sind sie eine interessante Abwechslung zum Alltag. Insbesondere dann, wenn wir es mit einem so engagierten Lehrer wie David Silbernagel zu tun haben. David ist begeisterter Fußballfan, unterrichtet am Stiftischen Gymnasium in Düren und lud uns zur Projektwoche „Stift schaut hin - Demokratie und Medien“ in seine Schule ein.
Angekommen im Klassenraum zeigten wir uns erstmal ziemlich sprachlos, denn dieser war rundherum mit vielen anschaulichen Beispielen wie etwa Trikots, Schals, Stickern und Schautafeln zum Themenbereich „Rassismus und Menschenfeindlichkeit im Fußball“ ausgestattet. Dafür hatte David im Vorfeld viel recherchiert und zahlreiche Vereine, Initiativen wie Institutionen kontaktiert. Für so viel Mühe im Sinne der eigenen Schüler*innen müsste er eigentlich mit dem Ballon d’Or für Lehrkräfte ausgezeichnet werden. In 90 Minuten plus Nachspielzeit berichteten wir zunächst über die Entstehungsgeschichte der Fanprojekte, unser Arbeitsfeld und unsere Angebote. In der zweiten Halbzeit griffen wir das Thema „Rassismus und Diskriminierung im Fußball“ auf und beschäftigten uns etwa mit folgenden Fragen. Welche Ausdrucksformen der Menschenfeindlichkeit gibt es im Stadion und außerhalb? Wie positionieren sich Fans, Vereine und Verbände? Wie fühlen sich die Opfer? Aufgrund der Kürze der Zeit konnten wir zwar nur einen kleinen Einblick geben, doch wir sind uns absolut sicher, dass die Schüler*innen in den Projekttagen viele Möglichkeiten zur Information und Diskussion bekommen haben und darüber hinaus auch noch erhalten werden. Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal für die Einladung.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) 18.09.2025
BAG der Fanprojekte begrüßte auf Fachtag Mittelerhöhung für die Sozialarbeit mit Fußballfans
Am 11. und 12. September fand das „Trägertreffen“ der Fußballverbände DFB und DFL sowie der Koordinationsstelle Fanprojekte im DFB-Campus in Frankfurt am Main statt. Rund fünfzig Fanprojekt-Leitungen und ihre Vorgesetzten der jeweiligen sozialen Träger nahmen an den Gesprächen mit Verbandsvertreter*innen über drängende Fragen der Sozialen Arbeit der Fanprojekte teil.
Alle Begrüßungsstatements der Vertreter*innen vom Deutschen Fußball-Bund, der Deutschen Fußball-Liga und der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) würdigen die hohe Qualität dieser Arbeit. Steffen Simon (DFB) hob das ungebrochene Interesse des Fußballs an der Arbeit der Fanprojekte hervor, der jüngst die Förderung der Fanprojekte erhöhte. Nun müsste die öffentliche Hand folgen, damit sich die „Deckelerhöhung“ auch auszahle. Dem schloss sich Ansgar Schwenken von der DFL vollumfänglich an. KOS-Leiter Michael Gabriel bestätigte, dass die Wertschätzung der Fachwelt angesichts der Wirksamkeit der Sozialen Arbeit mit Fußballfans sehr hoch sei. Auch wurde der zuweilen geäußerten Gefährlichkeit des Stadionerlebnisses widersprochen: Vorfälle würden sich angesichts der Masse an Zuschauenden als äußerst gering darstellen. Dies sei vor allem auch die Wirkung guter Präventionsarbeit. Mit Blick auf die Forderung aus der Innenpolitik nach einer Zentralen Stadionverbotskommission waren sich die Teilnehmenden einig, dass diese Forderung nicht zielführend sei, da an den einzelnen Standorten hoch wirksame Gremien zur Anhörung von Betroffenen arbeiten.
Steffen Kröner von der Outlaw Kinder- und Jugendhilfe berichtet als Sprecher der Trägervertretung über die Notwendigkeit des noch relativ jungen Zusammenschlusses der Fanprojektträger. So seien z.B. die Erhöhung der Förderung von Fanprojekten und arbeitsrechtliche Fragen bestimmende Themen des Austausches. Schließlich stellten Antje Hagel und Stefan Roggenthin als Sprecher*innen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte e.V. (BAG) die neue Struktur der Selbstorganisation der Fanprojekte vor, denn mit das wichtigste sei ein guter fachlicher und vor allem kollegialer Austausch in geeigneten Gremien. Mit der neuen Struktur arbeiten mehr Kolleg*innen an den internen Themen, was für alle eine Erleichterung mit sich bringe.
Mit einer Podiumsveranstaltung endete der intensive Fachtag auf dem DFB-Campus.
Hier geht es zur Pressemitteilung der BAG der Fanprojekte:
Kommentar der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (BAG) 14.08.2025
Die BAG erläutert ausführlich das langjährig bewährte Prozedere der Vergabe von Stadionverboten und die damit verbundene Arbeit der Fanprojekte. Die derzeit bestehenden Regelungen ermöglichen sowohl den Vereinen wie auch den Fanprojekten einen Zugang zu Personen, denen vorgeworfen wird, die Sicherheit im Stadion oder auf Reisewegen gefährdet zu haben. Um diese Beziehungsarbeit nicht aufs Spiel zu setzen, fordert sie den Verbleib der Vergabe von Stadionverboten in der Hand der Vereine. Zudem fordert sie die Weiterentwicklung von Alternativen zu Stadionverboten sowie die regelmäßige Schulung von Stadionverbotsbeauftragten. Die BAG spricht sich zudem für eine Ombudsstelle beim DFB aus, auf die alle Seiten zurückgreifen können: Seien es die Fans, die Clubs oder auch die Polizeien.
Im Zuge des Sicherheitsgesprächs der Innenministerien, der DFL und des DFB im Oktober 2024 wurde die Forderung der Politik nach Einrichtung einer Zentralen Stadionverbotskommission, die das bisherige System ersetzen soll, deutlich hörbar. Seitdem wird die Forderung danach aufrechterhalten und zuletzt moniert, dass diese noch nicht umgesetzt wurde. (Siehe hierzu: Protokolle Innenministerkonferenz vom 13.06.2025, S. 25 und Sportministerkonferenz vom 08.11.2024, S.171)
Die BAG hat eine eigene Perspektive auf Stadionverbote und lehnt eine Zentrale Stadionverbotskommission beim DFB ab. Stattdessen fordern wir:
Wir haben eigene Vorstellungen, wie eine beim DFB eingerichtete Stelle sinnvoll und förderlich sein kann und wollen dies gerne erläutern. Als 1993 Stadionverbote bundesweit im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) geregelt wurden, gab es viele offene Fragen und juristische Infragestellungen. Sukzessive wurden Anhörungen, Möglichkeiten der Aussetzung, der Aufhebung und Reduzierung eingeführt. Manchmal mussten dafür Gerichte bemüht werden, mittlerweile ist das Verfahren gerichtsfest. Und manches ergab sich in mühseligen Gesprächsrunden beim DFB (dieser ist laut dem Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL für die Sicherheit und damit auch für die Stadionverbote zuständig). Heute werden Stadionverbote auch unter Berücksichtigung des Alters und der Persönlichkeit des Betroffenen, der Schwere des Tatvorwurfs und des Risikos der Wiederholung der Beeinträchtigung der Sicherheit im Stadion ausgesprochen. Die Richtlinien geben den Vereinen die Möglichkeit, Alternativen zu Stadionverboten anzubieten und vor allem die Gelegenheit, sich im Rahmen der Anhörung ein persönliches Bild von der Person zu machen. Die Vereine ernennen Stadionverbotsbeauftragte, welche in den jeweiligen Verfahren entscheiden. Es hat sich an vielen Standorten bewährt, dass eine Stadionverbotskommission unterstützend und beratend tätig ist. In dieser sind häufig die Fanbeauftragten, die Sicherheitsbeauftragten, die Stadionverbotsbeauftragten selbst und eben das Fanprojekt vertreten. Die Stadionverbotskommission lädt Betroffene ein, vor dieser Kommission Stellung zu nehmen.
Natürlich ist es die Aufgabe von Fanprojekten, im Vorwege Gespräche zu führen und auf die Anhörung vorzubereiten. Dabei geht es oft darum, das Verfahren zu erläutern oder generell zu erklären, was ein Stadionverbot ist und bedeuten würde. Und natürlich wird auch über das Verhalten im Stadion bzw. rund um Fußballspiele des eigenen Vereins gesprochen. Vor der Kommission haben die Fans dann die Gelegenheit, sich zu präsentieren und zur Sache Stellung zu nehmen, wenn sie es denn wollen. Sollte ein Ermittlungsverfahren anhängig sein, ist es nicht immer ratsam, mit Dritten über den betreffenden Sachverhalt zu sprechen. Worüber die Fans aber sprechen können ist, wie sie sich an Spieltagen verhalten und wie sie sich in Zukunft an Spieltagen verhalten wollen. Die Kommission kann wiederum den Fans vor Augen führen, was bestimmte Verhaltensweisen für Konsequenzen haben. Da geht es längst nicht nur um Strafgelder, die der Verein bezahlen muss, sondern natürlich auch um die Auswirkungen auf andere Zuschauer*innen. Die Kommissionsmitglieder wiederum haben die Möglichkeit, die angehörten Fans kennenzulernen, ihnen in die Augen zu schauen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wie diese „ticken“. Durch diese Anhörungen entsteht nicht selten der erste Kontakt zwischen vermeintlichen „Problemfans“ und Vertreter*innen des Vereins. So werden Kommunikationskanäle vor Ort angelegt, die sich verstetigen und dann in beide Richtungen genutzt werden können. Dadurch ergeben sich auch für die Fanprojekte oftmals Möglichkeiten, langfristig mit den Betroffenen zu arbeiten. Ein Stadionverbot ist ein vom DFB entwickeltes Konzept der Prävention. Wer das Instrument ernst nimmt, muss sich mit den Betroffenen beschäftigen, muss ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme geben und dann die Prognose stellen, ob die Sicherheit im Stadion gewährleistet ist, wenn die betroffenen Fans zukünftig weiterhin Fußballspiele der ersten vier Ligen in Deutschland besuchen oder nicht.
Wir sehen es als nahezu unmöglich an, dass eine Zentrale Stadionverbotskommission alle Betroffenen zu einem persönlichen Gespräch einladen kann. Wir befürchten daher bei einer Zentralen Stadionverbotskommission ein mechanisches Abhaken bezogen auf vermeintliche Tatvorwürfe. Dadurch werden Stadionverbote noch viel mehr zu dem, wie Fans sie immer schon empfunden haben: Als zweite Strafe, für die es noch nicht einmal eines geregelten rechtsstaatlichen Verfahrens bedarf. Ein solches setzt die Unschuldsvermutung voraus. Und ein eingeleitetes Ermittlungsverfahren reicht nicht für die Verhängung einer Strafe.
Im Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) werden die Fanprojekte explizit als der Netzwerkpartner genannt, der das Fehlverhalten von Fans aufarbeiten und Handlungsalternativen aufzeigen soll (NKSS 2012, 2.6. „Fehlverhalten und Konsequenz“). Diesem mittlerweile erprobten System würde durch eine Zentrale Stadionverbotskommission Steine in den Weg gelegt. Das System der Stadionverbote scheitert aber auch dort, wo Stadionverbotsbeauftragte nicht oder unzulänglich geschult sind, wo Betroffene das Gefühl haben, nicht gehört zu werden und wo die Polizei das Gefühl hat, dass Anregungen für Stadionverbote gar nicht in den geregelten Prozess geleitet werden. Sollten sich die beteiligten Akteure auf die eine oder andere Weise unangemessen wahrgenommen fühlen, sollen sie die Möglichkeit erhalten, sich an eine Ombudsstelle beim DFB zu wenden. Dort könnten die Fälle behandelt werden, die strittig sind. Dies wäre deutlich zielführender, als eine von der Innen- und Sportministerkonferenz geforderte Zentrale Vergabestelle von Stadionverboten, die bezüglich einer Präventionsarbeit eher kontraproduktiv wäre und den von Stadionverboten betroffenen Individuen gar nicht gerecht werden könnte.
Pressemitteilung Koordinationsstelle Fanprojekte Frankfurt, August 2025
Die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) bei der Deutschen Sportjugend (dsj) begrüßt die Entscheidung von DFB und DFL, die Förderung der Fanprojekte stufenweise von zunächst 165.000 Euro auf maximal 175.000 Euro im Jahr 2028 anzuheben. DFB und DFL unterstreichen damit das klare Bekenntnis des Fußballs zur sozialpädagogischen Arbeit der Fanprojekte, die ein beeindruckendes Portfolio an Angeboten und Themen abdecken. Die 71 deutschen Fanprojekte leisten einen wichtigen Beitrag zur positiven Entwicklung von Fankultur und Gesellschaft.
Michael Gabriel, Leiter der KOS: „Wir begrüßen die Entscheidung von DFB und DFL, die zeigt, dass der Fußball sich klar zur so wichtigen Arbeit der Fanprojekte bekennt. Wir hoffen, dass dieses Signal in Kommunen und Bundesländern positiv aufgenommen wird, denn nur in gemeinsamer Verantwortung kann es gelingen, die Fanprojekte zukunftsfest aufzustellen. Denn Fakt ist auch: Mit der jetzigen Erhöhung können Fanprojekte nur ihren Status quo halten. Eine Ausweitung der Angebote und Aufstockung von Personalstellen muss im nächsten Schritt dringend erfolgen. Dies ist angesichts des enormen Zulaufs junger Fans und vieler besorgniserregender gesellschaftlicher Entwicklungen unumgänglich.“
Fanprojekte 2025: Wie vielfältig die professionelle Arbeit der Fanprojekte ist, zeigt der aktuelle „Sachstandsbericht zum Stand der Sozialen Arbeit mit Fußballfans – Fanprojekte 2025”, der nun erschienen ist. Anhand praktischer Beispiele werden auf 120 Seiten jene Themenfelder vorgestellt, die Fanprojekte gemeinsam mit den jugendlichen Fans aktiv bearbeiten: von der demokratiepolitischen Bildungsarbeit und Gewaltprävention über Demokratieförderung und die Prävention von Radikalisierungstendenzen, die gendersensible Fanarbeit und Suchtprävention bis hin zur Stärkung europäischer Werte durch internationale Jugendaustauschprojekte. Zudem wird das beeindruckende Netzwerk rund um die Fansozialarbeit in Deutschland vorgestellt. Hier zeigt sich die herausragende Qualität der Zusammenarbeit auf allen Ebenen, von den Vereinen über die Kommunen bis hin zu den Sicherheitsorganen.
Michael Gabriel: „Fußballfankultur ist die größte Jugendbewegung in Deutschland, deren Attraktivität nach Corona noch einmal zugenommen hat. Die Erfahrungen der letzten 30 Jahre zeigen, dass die Arbeit der Fanprojekte wirkt. Sie unterstützt nicht nur eine positive und friedliche Fankultur im Fußball, sie wirkt darüber hinaus tief in die Gesellschaft, indem sie Demokratie, Vielfalt und Beteiligung junger Menschen fördert.“
Unter folgendem Link gibt es den „Sachstandsbericht zum Stand der Sozialen Arbeit mit Fußballfans – Fanprojekte 2025” der Koordinationsstelle Fanprojekte:
Aachen, Juni 2025
Aachen, Mai 2025
Wenige Tage nach dem letzten Heimspiel der Saison verwandelt sich der graue Parkplatz hinter dem Tivoli in ein lautes und buntes Gewusel. 26 Teams mit 130 Fünftklässler*innen treten bei unserem Straßenfußballturnier unter dem Motto kick racism out an. Das gemeinsame Erleben, Fairplay und die Freude am Fußball unabhängig von irgendwelchen Unterschieden stehen dabei im Mittelpunkt.
Es sind die vielen kleinen Begebenheiten, die den Streetkick immer wieder zu einer ganz besonderen Veranstaltung werden lassen. Dieses Mal macht z.B. sich eine Gruppe mit kleinen Sprintübungen ganz pflichtbewusst warm, lang bevor der erste Anpfiff erfolgt. Eine andere Gruppe hat die Rückennummern auf ihren weißen Shirts mit Klebeband designt. Ein Mädchen, das ein Kopftuch trägt, bejubelte ihr Tor. Sie läuft mit ausgebreiteten Armen und freudestrahlend auf ihre Mitspielerin zu. Beide haben sichtlich Spaß. Einige Schüler*innen haben Schilder zur optischen Unterstützung gestaltet und feuern ihre Teams unentwegt lautstark an. Während eine Ansammlung von Kindern sich den unkonventionellen Spielplan von der Turnierleitung erklären lässt und geduldig wartet, bis diese ganz altmodisch die Ergebnisse auf einem Flipchart eingetragen hat, macht es sich ein Mädchen etwas allein am Rande eines Courts auf dem Boden bequem und nutzt ihre Spielpause, um ein Buch zu lesen. Der Titel des Buches „Wie man sich beliebt macht“ verleiht der Szene eine gewisse Komik und lädt zum Schmunzeln ein. Auf die Frage, wie ihr das Turnier gefällt, erwidert sie mit einem Lächeln: „Alles super!“
Kommen wir nun zum Sportlichen. Die Hugo-Junkers-Realschule kann mit Kanada und Nigeria letztlich zwei, die Realschule Patternhof aus Eschweiler mit Senegal, Brasilien und Dänemark sogar drei Pokale der insgesamt acht zu vergebenen Trophäen mit nach Hause nehmen. Bei den Mädchen setzt sich in einem spannenden Endspiel Kanada knapp mit 3:2 gegen Schweden (GHS Drimborn) durch, während Senegal mit einem ungefährdeten 8:1 im Jungen-Mixed-Finale Ghana (Europaschule Herzogenrath) keine Chance lässt und sich zum verdienten Turniersieger krönt. Das Spiel um den dritten Platz entscheidet Dänemark mit 1:0 gegen Nigeria bzw. Deutschland (Gesamtschule Kohlscheid) mit 4:3 gegen Brasilien für sich. Nach 58 Partien mit insgesamt 262 Toren sowie Medaillen für alle Teilnehmenden endet ein erlebnisreicher Tag und das entspannteste Turnier der Aachener Streetkick-Geschichte.
Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW Bochum, März 2025
MeDiF-NRW veröffentlicht 2.Jahresbericht zu Diskriminierungsdynamiken
Seit dem 01.07.2022 ist die Meldung von Diskriminierungsvorfällen im Fußball über das Meldeportal von MeDiF-NRW (www.medif-nrw.de) möglich. Im nun veröffentlichten 2. Jahresbericht der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW wurden Meldungen ausgewertet, die in den Jahren 2023 und 2024 über das Portal anonym eingegangen sind. Aktuell verzeichnet MeDiF-NRW knapp 2500 Meldungen zu diskriminierenden Vorfällen im Fußball in NRW (Stand: März 2025).
Der Fußballsport ist eine populärkulturelle und soziale Arena, die von diversen Akteur*innen stets mit der Metapher „Brennglas der Gesellschaft“ versehen wird. Damit ist gemeint, dass sich im Stadion, auf den Fußballplätzen von Amateur*innenvereinen, in der Eckkneipe, beim Public Viewing und bei Social Media soziale Prozesse und Phänomene in intensivierter Form beobachten lassen, die auch in der Gesamtgesellschaft existieren. Der Fußball ist geprägt durch spezifische Gelegenheitsstrukturen, die sowohl Enthemmungen als auch offene und subtile Formen von Diskriminierung befördern und intensivieren. Das ist insofern problematisch, weil der Fußball für viele junge Menschen eine zentrale Sozialisationsinstanz darstellt. Wir von MeDiF-NRW fordern deshalb: Eine Fußballkultur, in der Diskriminierung keinen Platz mehr hat!
Im nun publizierten 2. Jahresbericht der Meldestelle für Diskriminierung im Fußball in NRW finden Sie wie gewohnt ein komplexes Lagebild, das auf der Grundlage von wissenschaftlichen Dokumentations- und Auswertungsverfahren einen Überblick gibt über Diskriminierungstatbestände und Ausgrenzungsdynamiken im Sportland NRW. Neben den evidenzbasierten Analysen präsentieren wir Ihnen des Weiteren unsere diskriminierungskritischen Qualifizierungs-, Sensibilisierungs- und Awarenessformate, die wir auf der Basis der bei uns eingegangenen Vorfallsmeldungen für die praxisnahe Präventions- und Interventionsarbeit im Fußball entwickelt haben. Weitere Informationen zum Projekt erhalten Sie unter www.medif-nrw.de. Auf unserer Homepage stellen wir Ihnen den 2. Jahresbericht als PDF zur Verfügung.
Aachen, 17.03.2025
Das Fanprojekt Aachen setzt sich für demokratische Werte, Respekt, Vielfalt, Gleichberechtigung, Toleranz und Zusammenhalt ein. Ausgrenzung, Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung sollte in unserer Gesellschaft konsequent begegnet werden. Die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ finden in diesem Jahr vom 17. bis zum 30.3.2025 statt. Das Motto lautet „Menschenwürde schützen“. In Artikel 1, Absatz 1 unseres Grundgesetzes heißt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
Auf diesem Wege möchten wir auf unseren Workshop „Haltung zeigen auf den Rängen und auf dem Platz“ für Schul- und Jugendgruppen hinweisen. Hast du Ideen zu einzelnen Projekten für Vielfalt, Gleichberechtigung und Zusammenhalt und gegen Ausgrenzung, Rassismus und Diskriminierung, dann melde dich gerne direkt beim Fanprojekt.
Erläuterungen zur Menschenwürde / Würde findest du beispielsweise auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.
Aachen, 25.02.2025
Nach reiflicher Überlegung haben wir uns dazu entschieden, nicht mehr Teil der Anhörungskommission von Alemannia Aachen, der das Fanprojekt in beratender Funktion angehörte, zu sein. Die Gründe dafür sind vielfältig und folgen unseren, nicht zufriedenstellenden Erfahrungen über einen längeren Zeitraum. In der Rückschau müssen wir uns eingestehen, dass wir diesen Schritt eigentlich bereits früher hätten tätigen müssen, ohne an dieser Stelle zu sehr ins Detail gehen zu wollen. Zu unserem Entschluss hat letztlich das in unserer Wahrnehmung andauernde fehlende Interesse des Geschäftsführers der Alemannia Aachen GmbH, der auch gleichzeitig Stadionverbotsbeauftragter ist, am Gremium und wichtigen Inhalten geführt.
Im Jahre 2017 hat das Fanprojekt Aachen das „Handlungskonzept zum Umgang mit Stadionverboten bei Alemannia Aachen“ geschrieben, angelehnt an verschiedene Konzepte und Erfahrungen anderer Standorte. Dem vorangegangen war damals ein sehr konstruktiver Erarbeitungsprozess mit Ultras der Karlsbande und des Kollektivs. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei den Mitgliedern der Kommission, v.a. beim Leiter Veranstaltungs- und Sicherheitsmanagement, für den manchmal kontroversen, aber stets auf Augenhöhe geführten Austausch. Zu den Themen „Stadionverbot“ und „Bewährung“, v.a. in Hinblick auf unsere Zielgruppe und aus Perspektive einer Jugendhilfeeinrichtung, stehen wir sowohl den Gremiumsmitgliedern als auch von einem möglichen Stadionverbot betroffenen Fans weiterhin für Gespräche zur Verfügung.
Aachen, 13.02.2025
Das Fanprojekt Aachen blickt auf ein ambivalentes Jahr 2024 zurück. Wir hatten viele schöne Erlebnisse, ob im Stadion, in Action oder auf Achse. Wir erinnern uns an sehr gute Gespräche und sind froh, dass viele Menschen aus unserer sogenannten Zielgruppe das Fanprojekt wertschätzen. Bereichernd war der Austausch mit Kolleg*innen, verschiedenen Akteur*innen rund um die Spieltage und dem neu gegründeten Fanbeirat. Das vergangene Jahr war allerdings auch sehr mühsam und anstrengend. Neben den sportlichen Erfolgsmeldungen produzierte unser Bezugsverein eine Reihe negativer Schlagzeilen, die bundesweite Beachtung fanden und uns jede Menge Energie raubten. Darauf hätten wir gerne verzichtet und dies wäre auch vermeidbar gewesen.
Im Jahresrückblick 2024 informieren wir mit ausgewählten Impressionen über unsere Arbeitsinhalte. Unsere Texte können dabei nur einen kleinen Ausschnitt wiedergeben. Die aktuelle Broschüre, die in erster Linie als Tätigkeitsnachweis für Förderer*innen und Netzwerkpartner*innen gedacht ist, steht der Öffentlichkeit zur Ansicht und zum Download auf unserer Homepage zur Verfügung.
Fotos: Fanprojekt Aachen, Jerome Gras, Karlsbande Ultras
Aachen, 10.02.2025
Ausführlichere Infos zum Fancamp und zur Anmeldung gibt es, wenn du auf den gelben Button klickst. Interesse? Dann sicher dir schnell noch einen Platz.
Aachen, 27.01.2025
Ligaspiel in München und Gedenkstättenfahrt nach Dachau. Anlässlich des Auswärtsspiels der Schwarz-gelben beim TSV 1860 München am Osterwochenende bietet das Fanprojekt Aachen interessierten Alemannia-Fans eine besondere Fahrt an, bei der wir Fußball und Bildung miteinander verbinden. Auf dem Programm stehen nicht nur das Ligaspiel im Stadion an der Grünwalder Straße, sondern auch der Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau. In der Stadt nordwestlich der bayrischen Landeshauptstadt errichtete das nationalsozialistische Regime einst das erste als Dauereinrichtung gebaute Konzentrationslager. Für das Erkunden von München und weitere Aktivitäten bleibt bei unserer 5-Tages-Tour außerdem genügend Zeit.
Hinfahrt: Donnerstag 17.04.2025
Rückfahrt: Ostermontag 21.04.2025
Kosten: 120 € (inkl. Fahrt, Unterkunft mit Frühstück, Eintrittskarte, Gedenkstättenbesuch)
Alter: 16-27 Jahre
Wichtige Hinweise: Die Anmeldung erfolgt bitte per Mail mit Nennung des Namens, des Alters und der telefonischen Erreich-barkeit unter [email protected]. Die Bereitschaft, an einem Vorbereitungstreffen teilzunehmen, wird vorausgesetzt. Minderjährige benötigen eine Einverständniserklärung ihrer Eltern. Weitere Informationen gibt es direkt beim Fanprojekt.
Erinnerungstag im deutschen Fußball Aachen, 27.01.2025
Fotos: Initiative "Nie wieder"
Befreiung und Gedenktag
Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die verbliebenen ca. 7.600 Gefangen des weitgehend geräumten Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Das Datum wurde 1996 in der Bundesrepublik Deutschland zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, ein paar Jahre später von den Vereinten Nationen zum „Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ bestimmt, und erinnert an die Millionen von Opfern des Nationalsozialismus: Jüdinnen und Juden zuallermeist, aber auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, Kriegsgefangene, politisch Andersdenkende, Menschen, die nicht in die menschenverachtende Weltanschauung passten und für "lebensunwert" erklärt wurden. 2025 jährt sich die Befreiung des KZ Auschwitz zum 80. Mal.
Auschwitz
Auschwitz-Birkenau liegt im südlichen Polen, nah den Grenzen zum heutigen Tschechien und der Slowakei. Zur Zeit des Nationalsozialismus war das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau der größte Komplex aus Gefangenlagern. Auschwitz ist der deutsche Name für die polnische Stadt Oświęcim, in deren Nähe das Stammlager errichtet wurde. Birkenau ist der deutsche Name für die Gemeinde Brzezinka, auf deren Gebiet sich das Vernichtungslager befand. In der Nachkriegszeit ist der Name Auschwitz zu einem Symbol für den Holocaust geworden. Das Wort Holocaust stammt von dem griechischen Wort holókaustus und bedeutet völlig verbrannt. Im Hebräischen spricht man von Shoah, was Katastrophe oder Untergang meint. Der Begriff wird verwendet, wenn von der systematischen Vernichtung ganzer Bevölkerungsgruppen während des Nationalsozialismus gesprochen wird. Die Nazis ermordeten in Europa 6 Millionen Jüdinnen und Juden. Das KZ Auschwitz wurde 1940 errichtet und dabei zum zentralen Ort der Massenvernichtung. In Auschwitz starben insgesamt zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen in den Gaskammern, durch Erschießen oder den Hungertod.
Namen von 140 Menschen aus Aachen sind bekannt, die in Auschwitz ermordet wurden. Die tatsächliche Zahl der Opfer ist wahrscheinlich jedoch deutlich höher. Zu den Opfern gehörten u.a. Fredy Hirsch, Sportlehrer und Erzieher, und Edith Frank-Holländer, die in Aachen geboren wurde und Mutter von Anne Frank war.
Alemannia Aachen und der Holocaust
Ab 1933 wehte auch bei der Alemannia ein rauer Wind: Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der junge Fußballer Max Salomon, der seit zehn Jahren Mitglied im Verein war, vom Verein ausgeschlossen, weil er Jude war. Die Vereinszeitung äußerte sich dazu nur knapp: „Salomon trat infolge der Zeitrichtung ab.“ Sein letztes Spiel bestritt er im März, Anfang April 1933 gehörte er bereits nicht mehr zum Kader. Max Salomon floh später vor der Verfolgung aus Aachen und wurde 1940 in Frankreich festgenommen. 1942 sollte er im Alter von 36 Jahren ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert werden. Auf dem Transport dorthin musste er den Zug verlassen, um Zwangsarbeit zu leisten, und an diesem Punkt verlieren sich seine Spuren. Es wird angenommen, dass er bei diesem Arbeitseinsatz in Oberschlesien (im heutigen Polen) ums Leben kam. Neben ihm sind vier weitere Alemannia-Mitglieder bekannt, die im Holocaust ermordet wurden: Erich André, Josef Keusch, Fritz Moses und Max Salomons Bruder Robert.
Nie wieder: Erinnerungstag im deutschen Fußball
"Nie wieder Auschwitz“ hieß die Botschaft der Überlebenden des Vernichtungslagers. Fußballfreunde haben diese Botschaft 2004 aufgegriffen und den „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ ins Leben gerufen. Ein Bündnis aus Einzelpersonen, Fangruppen und Fanprojekten, Vereinen, Verbänden und weiteren Institutionen engagiert sich dabei für eine würdige Gedenkkultur und für ein Stadion ohne Diskriminierung. An den Spieltagen rund um den 27. Januar wird der Erinnerungstag mit vielfältigen Aktionen im und außerhalb des Stadions organisiert. Die Kampagne zum 80.Jahrestag der Befreiung von Auschwitz lautet „dass Auschwitz nie mehr sei!“
Der Deutsche-Fußball Bund und seine Vereine haben sich lange schwergetan, ihre Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten und sich den unbequemen Fragen, z.B. in Hinblick auf die Verfolgung von Vereinsmitgliedern, zu stellen. Die Gründe: persönliche Verstrickungen, Mutlosigkeit und Scham. Die Begründung: Sport sei „unpolitisch“ oder „politisch neutral“. Wurde der Sport damals durch den die nationalsozialistische Ideologie vollständig für ihre menschenverachtende Weltanschauung vereinnahmt und instrumentalisiert, so haben Fans, Vereine und Verbände nicht nur die Verantwortung, den Opfern zu gedenken, sondern Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung aktiv entgegenzutreten.
Aachen, 29.01.2024
Das Fanprojekt Aachen blickt auf ein intensives und abwechslungsreiches Jahr 2023 zurück. Es wurde sportlich, kreativ, lustig, nachdenklich, rasant, spannend oder gemütlich bei wiederkehrenden und neuen Angeboten. In erster Linie waren Jugendliche und junge Erwachsene aus der Aachener Fußballfanszene mit verschiedenen Sport-, Freizeit- und Bildungsveranstaltungen, mit Jugendbegegnungen sowie U18 Auswärtsfahrten angesprochen. Mit dem Integrationsprojekt „Heimspiel für alle“, Vorträgen und Workshops zur Erinnerungskultur oder verschiedenen Diskriminierungsformen weckten wir darüber hinaus das Interesse weiterer Zielgruppen. Highlights waren z.B. das Fanfinale in Berlin, das Fancamp in den Sommerferien oder das Streetkick-Turnier. Die Spielbegleitung, Beratungsangebote und Netzwerkarbeit gehörten selbstverständlich auch zu unseren Arbeitsinhalten.
Im Juni wurde dem Fanprojekt Aachen das Qualitätssiegel „Fanprojekt nach dem Nationalen Konzept Sport und Sicherheit“ erneut für drei Jahre verliehen und im November feierte es sein 15jähriges Jubiläum. Die StädteRegion und die Stadt Aachen beschlossen außerdem, die kommunale Förderung des Fanprojekts bis Ende 2027 fortzusetzen und es finanziell besser auszustatten. Den krönenden Abschluss bildete dann passend die letzte Veranstaltung kurz vor Weihnachten. Beim Hallenmasters der nordrhein-westfälischen Fanprojekte konnte unser Team zum ersten Mal den Siegerpokal in die Kaiserstadt holen. Die aktuelle Broschüre, die in erster Linie als Tätigkeitsnachweis für Förderer*innen und Netzwerkpartner*innen gedacht ist, steht der Öffentlichkeit zur Ansicht und zum Download auf unserer Homepage zur Verfügung.
Foto Indonesien: Andrin Brändle
Fotos Spieltag: Jerome Gras, Michael Graff, Karlsbande Ultras
Aachen, 26.01.2024
27. Januar: Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von sowjetischen Soldaten befreit. Der 27.1. wurde 1996 in Deutschland als Gedenktag - von den Vereinten Nationen als "International Holocaust Remembrance Day" im Jahr 2005 - festgelegt und erinnert an die Millionen von Opfern des Nationalsozialismus: Juden zuallermeist, aber auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, Kriegsgefangene, politisch Andersdenkende, Menschen, die nicht in die menschenverachtende Weltanschauung passte und für "lebensunwert" erklärt wurden.
Nie wieder: Erinnerungstag im deutschen Fußball
"Nie wieder Auschwitz“ hieß die Botschaft der Überlebenden des Vernichtungslagers. Fußballfreunde haben diese Botschaft 2004 aufgegriffen und den „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ ins Leben gerufen. Ein Bündnis aus Einzelpersonen, Fangruppen und Fanprojekten, Vereinen, Verbänden und weiteren Institutionen engagiert sich dabei für eine würdige Gedenkkultur und für ein Stadion ohne Diskriminierung. An den Spieltagen rund um den 27. Januar wird der Erinnerungstag mit vielfältigen Aktionen im und außerhalb des Stadions organisiert. Die Kampagne widmet sich jedes Jahr einem bestimmten Schwerpunkt. 2024 lautet er "Nie wieder ist jetzt!“ und bezieht sich auf den Terrorangriff auf Israel im vergangenen Herbst sowie den weltweit aufflammenden Antisemitismus.
Antisemitismus
Ganz vereinfacht bedeutet Antisemitismus Judenfeindschaft, wenngleich er viele Gesichter hat. Jüdischen Menschen werden bestimmte negative Eigenschaften wie z.B. Geldgier und Boshaftigkeit unterstellt, aufgrund derer sie verachtet und gehasst werden können. "Die Juden“ sind in Verschwörungstheorien die heimlichen Strippenzieher, die Politik und Weltwirtschaft kontrollieren. Anders als bei rassistischer Diskriminierung, wo "die Anderen“ als minderwertig dargestellt werden, werden Jüdinnen und Juden beim Antisemitismus über die Minderwertigkeit hinaus auch als übermächtig und überlegen vorgestellt. In ihrer Existenz wird die Ursache aller Probleme gesehen. Seinen Ausdruck fand und findet die antisemitische Weltanschauung in der Verleumdung, Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung bis hin zur Ermordung jüdischer Menschen. Sie gipfelte im Nationalsozialismus in der systematischen Ermordung und kostete rund zwei Drittel aller damals lebenden europäischen, nämlich ca. 6 Millionen Jüdinnen und Juden das Leben.
Nie wieder ist jetzt!
Am 7. Oktober 2023 wurden Jüdinnen und Juden in Israel Opfer eines Terrorangriffs der Hamas. Das bedeutete eine Zäsur für Israel und die jüdische Gemeinschaft weltweit. Es kann und darf nicht sein, dass durch Attacken und Bedrohungen jüdischer Institutionen, Privatwohnungen und Sportvereine Antisemitismus folgenlos und unwidersprochen, auch bei uns in Deutschland ausgelebt werden kann. Wir dürfen den enthemmten Antisemitismus nicht hinnehmen, bei dem offen die Auslöschung des jüdischen Lebens im Gesamten gefordert wird. Wir müssen solidarisch an der Seite unserer jüdischen Mitbürger*innen stehen. Daher unser Appell an euch: Schützt unsere Demokratie! Wehret den Anfängen! Mischt euch mutig ein, wenn euch irgendwo Hass und Gewalt begegnen! Gebt dem Antisemitismus keine Chance. Wir alle können einen Beitrag leisten – auf und neben dem Fußballplatz.
Fanprojekt Aachen: Erinnerungskultur und Antidiskriminierung
Das Fanprojekt Aachen setzt sich für demokratische Werte, Respekt, Vielfalt, Gleichberechtigung, Toleranz und Zusammenhalt ein. Der Abbau von Vorurteilen, Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus gehört u.a. zu den Zielen der sozialpädagogischen Fanprojekte. Mit Gedenkstättenbesuchen, Workshops, Vorträgen, Kreativangeboten, einem inklusiven Straßenfußballturnier und weiteren Veranstaltungen dokumentieren wir eindeutig unsere Haltung. In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam mit Alemannia-Fans verschiedene Erinnerungsorte besucht wie z.B. in Amsterdam, Hamburg, Mittelbau-Dora und Nürnberg, aber auch in unserer Region mit der Bildungsstätte Vogelsang. Wir haben uns mit Ultra- und Fangruppen bei Bunkerführungen und Stadtrundgängen vor Ort über die Zeit des Nationalsozialismus in Aachen informiert. Erinnern und Informieren reicht allerdings nicht aus, so lange es antisemitische, diskriminierende, rassistische Einstellungen gibt und diese Gesinnung im Stadion und anderswo bekundet wird.
