Auf Ballhöhe - Fußball * Jugend * Kultur

In der Veranstaltungsreihe „AUF BALLHÖHE – Fußball * Jugend * Kultur“ greifen wir in unregelmäßigen Abständen verschiedene Fußball(kultur)- und Jugend(kultur)themen auf, informieren das Publikum und regen ggf. zur Diskussion an. Mit dieser Veranstaltungsreihe möchten wir Fußballfans und Interessierte ohne Altersbeschränkung ansprechen. Berichte zu folgenden Veranstaltungen findest Du auf dieser Seite:

  • Ausstellungsführung: Alemannia 1933 bis 1945
  • Fußballkulturtage NRW: Graffiti-Workshop / Hello My Name Is - German Graffiti
  • Fußballkulturtage NRW: Zweikämpfer
  • Rechtstipps für Fußballfans
  • Auf der Suche nach dem Kick
  • NRW-Filmfestival 11mm

Alemannia 1933 bis 1945 - Fußball zwischen Sport und Politik

Alemannia Aachen besitzt kein eigenes Fußballmuseum, wo die Erinnerungen an vergangene Tage sichtbar sind. Für einige Wochen jedoch widmet sich das Internationale Zeitungsmuseum (IZM) einer besonderen Zeit der Vereinsgeschichte: Alemannia 1933 bis 1945 – Fußball zwischen Sport und Politik.

 

Ein kleiner Raum ist mit zahlreichen Zeitungsausschnitten, Fotos und historischen Exponaten ansprechend gestaltet. Zwei große Pappfiguren sind die Protagonisten der Ausstellung. Der eine ist Reinhold Münzenberg, „der Eiserne“ genannt: erster Nationalspieler der Alemannia, WM-Teilnehmer, achtmaliger Kapitän der DFB-Elf. Der andere heißt Max Salomon: ein trickreicher Stürmer, der mehr als 80 Toren in rund 140 Pflichtspielen erzielte. Salomon war Jude und spielte im März 1933 letztmals im schwarz-gelben Trikot. Danach musste er den Verein „dem Zeitgeist folgend“ verlassen wie es in der Vereinszeitschrift hieß. Der nationalsozialistische Zeitgeist duldete seinerzeit keine Juden, auch nicht im Fußball. Max Salomon floh in die Niederlande, nach Belgien und Frankreich. Von den deutschen Besatzern interniert und für die Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vorgesehen, verliert sich auf dem Transport dorthin seine Spur.

Entlang der beiden Lebenswege entfaltet die Ausstellung in Schlaglichtern die Atmosphäre, die Ereignisse und Entwicklungen bei Alemannia Aachen von 1933 bis 1945. Was war Alemannia Aachen in dieser Zeit für ein Verein? Wie wirkte sich die nationalsozialistische Politik auf das Vereinsleben aus? Wie agierten der Verein und seine Mitglieder im Spannungsfeld zwischen Politik und Sport? Was geschah mit den jüdischen Vereinsmitgliedern?

 

René Rohrkamp, Leiter des Aachener Stadtarchivs und selbst leidenschaftliches Alemannia-Mitglied, sowie Andreas Düspohl, Leiter des IZM, führen uns mit 40 jungen Alemannen durch die Ausstellung. Dankenswerterweise haben sie uns Termine am Abend außerhalb der regulären Öffnungszeiten ermöglicht, so dass mehr Interessierte teilnehmen können. René ist wesentlich für die historische Aufarbeitung, die teilweise einer Sisyphusarbeit glich, verantwortlich. Er erzählt umfangreich und sehr anschaulich von der Zeit, vom Verein, von Münzenberg, Salomon und Funktionären. Er gibt den Zuhörern viele Details, die den allermeisten Teilnehmenden vorher unbekannt waren. Ihr Feedback ist durchweg positiv.

 

Nach der Zeit im IZM sollen Teile der Ausstellung zum Tivoli wechseln. Und vielleicht bekommt Alemannia Aachen irgendwann doch ein eigenes Fußballmuseum.  

Graffiti * Workshop & Kino

Im Rahmen der Fußballkulturtage haben wir uns etwas Besonderes einfallen lassen: einen Graffiti-Workshop plus die Filmvorführung Hello My Name Is – German Graffiti. Diese Kunstform hat sowohl in Jugend- wie in Fanszenen eine hohe Anziehungskraft.

 

Workshop-Time: Ein strahlend blauer Himmel und Temperaturen über 20 °C an einem Sonntag Mitte Oktober. Perfekte Bedingungen, denn zehn Jugendliche können im Fanprojekt unter der Anleitung von Graffiti-Künstler Benjahmin Pfennings ihrer kreativen Ader freien Lauf lassen. Da die meisten von ihnen bereits beim ersten Teil mitgewirkt haben, sind sie mit den einzelnen Grundlagen vertraut und es entstehen in kurzer Zeit sehenswerte Unikate. Die gefragtesten Motive haben Bezug zur Stadt, zum Verein und zur Subkultur Ultra. Skizzen werden angefertigt, Stencils zurechtgeschnitten, einzelne Buchstaben mit Pinsel und Farbe ausgemalt, Schriftzüge und einzelne Highlights mit der Sprühdose verfeinert. Den letzten Schliff gibt es mit Hilfe des Profis. Neben den individuellen Kunstwerken wir eine gemeinsame Vorlage für ein späteres Banner erstellt. Zum Abschluss des Tages machen es sich die Workshop-Teilnehmer nach getaner kreativer Arbeit auf der Couch gemütlich und schauen bei Knabbereien noch einen Graffiti-Film, der einen Einblick in die Szene und die

vielfältigen Styles der Kunstform gibt. Alle gehen zufrieden nach Hause und für sie ist klar, dass es einen weiteren Graffiti-Workshop schon in naher Zukunft geben muss.

 

Cinema-Time: Am Tag nach unserem Graffit-Workshop zeigen wir den Film Hello My Name Is - German Graffiti im Apollo Kino & Bar. Neben den aktiven Workshop-Teilnehmern richtet sich der Film an alle Interessierten, auch an Alemannia-Fans, selbst wenn er nicht über Fußball handelt. Nachdem wir den Termin festgelegt und beworben haben, verlegt der Verband wegen der TV-Liveübertagung das Auswärtsspiel der Alemannia kurzfristig von Samstag auf Montag, und so fährt der aktive Teil der Fans an diesem Abend nach Bonn. Das Publikum im Apollo Kino ist bunt gemischt. Insgesamt 30 Interessierte zieht es in die Vorführung, obwohl sie bei diesen für den Herbst ungewöhnlich warmen Temperaturen noch draußen im Café sitzen könnten. Der Film lohnt sich wie auch die Reise in die ehemalige Bundeshauptstadt, in der die Fans einen 2:0 ihrer Mannschaft sehen. 

Trailer "Hello My Name Is - German Graffiti"

Zweikämpfer - Schülerkino

Pontviertel, Mittagszeit. Während die Erstsemester in den obligatorischen Rallyes die Stadt erkunden, lassen 160 Jugendliche ihren Schultag anders als sonst ausklingen. Heute schauen sie im Rahmen der Fußballkulturtage den Dokumentarfilm „Zwei-kämpfer“ im Apollo Kino & Bar. Eingeladen haben wir Jugendliche und junge Erwachsene, die sich im Übergang von Schule und Beruf befinden, in weiterführenden Schulen, Berufskollegs oder berufsvorbereitenden Maßnahmen.

Der Film gibt einen beeindruckenden Blick in das Leben und die Gefühlswelt von Profifußballern, die zum Ende ihrer aktiven Karriere plötzlich arbeitslos sind und um eine neue, vielleicht letzte Anstellung als Profifußballer kämpfen. Wenngleich Arbeits-bedingungen und Verdienst anders sind als bei „normalen“ Arbeitnehmern oder bei Jugendlichen, die auf dem Weg in Ausbildung und Beruf sind, so spiegelt der Film ganz viel aus der „realen“ Welt wieder: Wünsche, Motivation, Niederschläge, Ratlosigkeit und Hoffnung.

 

„Zweikämpfer“ ist sehenswert, mehr Kultur als Blockbuster. Das Programmkino hat ein besonderen Flair und ist nicht vergleichbar mit den großen Palästen. Der tosende Applaus des jungen Publikums nach dem Abspann freut uns sehr und ist Anerkennung, dass Film und Kinoerlebnis bei den Schülern gut ankamen.

Zweikämpfer - ein Kinoabend für Fans

Pontviertel, Ausgehzeit. Die Kneipen, Cafés und Straßen sind an diesem Abend voller Studenten, die ausgelassen feiern.  Mehr als 50 Interessierte, darunter einige Spieler von Alemannia Aachen in Begleitung des Cheftrainers sowie Fans des Traditionsvereins, haben sich dagegen aufgemacht, um im Apollo den Film „Zweikämpfer“ zu schauen und gemeinsam einen gemütlichen Kinoabend zu verbringen.

 

Das Thema ist für die Fußballer spannend, die sich mit den eigenen Zielen, den Ansprüchen der anderen und den beruflichen Alternativen zur Fußballkarriere auseinandersetzen müssen. Der Film ist für Fans interessant, die sonst in erster Linie mit den großen Summen des Fußballgeschäfts konfrontiert werden. Die Protagonisten Micky, Benni, Nico und Lütti liefern einen Blick hinter die Kulissen. Ihre Offenheit sorgt für viele Lacher im Publikum, ihre Art ist sympathisch und nahbar. Nach der Filmvorführung geht es nicht mehr zum Feiern, sondern direkt nach Hause, denn am nächsten Tag stehen wieder Schule, Ausbildung, Arbeit und ein Testspiel auf dem Programm.

Trailer "Zweikämpfer. Du hast keine Chance, also nutze sie."

Rechtstipps für Fußballfans

In der zweiten Veranstaltung unserer  Reihe AUF BALLHÖHE * Fußball * Jugend * Kultur widmeten wir uns im Presseraum des Tivoli rechtlichen Fragen, die rund um den Spieltag auftreten können und von Laien oft nur schwer oder gar nicht zu beantworten sind. Auf Anregung der Ultragruppe Kollektiv und mit ihrer tatkräftigen Unterstützung gestalteten wir den Infoabend zu einem in der Fanszene und Jugendkultur hochrelevanten Thema. Um die Fragen der Fans zu beantworten, luden wir den Experten Tobias Westkamp, Fachanwalt für Strafrecht und Mitglied der AG Fananwälte, nach Aachen ein.


Der Einstieg in den Abend wurde durch ein Raunen und ein Schmunzeln von den ca. 50 anwesenden Fans quittiert, denn Tobias Westkamp outete sich als Anhänger des 1.FC Köln, der in der dortigen Fanszene sozialisiert wurde. Anschließend referierte er in mehr als zwei Stunden über den Bereich „Fanstrafrecht“ und brachte dem Publikum durch viele Beispiele aus der Praxis juristische Themen nahe. Dabei betonte Westkamp immer wieder den zu prüfenden Einzelfall und verschiedene Rechtsauffassungen. Außerdem verwies er auf mögliche Konsequenzen und Reaktionen, die bei bestimmtem Verhalten eventuell erwartet werden könnten. So müsse sich der Fan überlegen, ob ein konkretes Verhalten sinnvoll ist, selbst wenn der Fan vermeintlich im Recht ist, oder ob dieses nur Nachteile mit sich bringt.

 

Besonders gefreut hat uns, dass Mitglieder aller Aachener Ultragruppen die Veranstaltung besuchten und sie so gut annahmen. Der Infoabend lebte von ihrer disziplinierten Aufmerksamkeit und vor allem von ihren vielen Fragen, die sie auch noch über den vorgegebenen Zeitrahmen hätten stellen können.

Auf der Suche nach dem Kick

Im alten Tivoli hatte Tom Bodde mehrere Spiele besucht, in der Nachfolge-Arena ist er zum ersten Mal. Er war in mehr als 1200 Stadien in 57 Ländern, doch Zahlen interessieren ihn nicht wirklich. Vielmehr liebt er die Vielfältigkeit, das Besondere, das Drumherum. Tom Bodde aus den Niederlanden ist Groundhopper und hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. In einem ca. einstündigen Programm berichtete er im Klömpchensklub über seine Erlebnisse rund um die verschiedenen Fußballtempel, erzählte lustige Anekdoten und zeigte einzigartige Fotos von seinen Reisen. Im Anschluss beantwortete Tom Fragen aus dem Publikum und lies es sich nicht nehmen, gemeinsam mit den anwesenden Fans den Abend beim Europa-League-Finale Ajax Amsterdam gegen Manchester United in gemütlicherRunde ausklingen zu lassen.

Ganz großes Kino der Alemannia-Fans beim Filmfestival der Fanprojekte

Im Herbst 2016 fand auf Initiative der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte NRW e.V. (LAG) erstmalig ein Filmfestival statt. Angelehnt an das 11mm-Festival in Berlin zeigte jedes der 15 sozialpädagogischen Fanprojekte aus NRW an seinem Standort ein bis zwei Filme, die sich um Fußball, Fans, Spieler und Vereine drehen. Das Programm war bunt gemischt mit populären und weniger bekannten Werken, Dokumentar- und Spielfilmen.  Wir beteiligten uns mit den Vorführungen der Filme „Ayaktakımı“ in Kooperation mit dem Apollo-Kino und „Abpfiff am alten Tivoli“ im Klömpchensklub. 

 

Das erste Fußballfilmfestival der NRW-Fanprojekte, das mit dem Film „Abpfiff am alten Tivoli“ im Klömpchensklub abgeschlossen wurde, war eine willkommene Abwechslung zum tristen Regionalliga-Alltag. Ca. 100 Fans kamen in die wieder eröffnete Fankneipe im Tivoli, um den Kultstreifen über ihren Verein und den Fußball-Tempel zu sehen. Außerdem schauten die drei Spieler der ersten Mannschaft beim Filmabend vorbei.

Schon eine halbe Stunde vor Einlass kamen die ersten Fans und allmählich füllte sich der Raum an der Theke, an Tischen und in einer für 40 Personen umgewandelten Kino-Sitzecke. Der sehenswerte Dokumentarfilm aus dem Jahre 2009 zeigte nostalgische Bilder und lieferte viel Wissenswertes über den Traditionsverein. Während einige humorvolle vorgetragene Erinnerungen ehemaliger Alemannia-Spieler für lautes Gelächter im Publikum sorgten, wurde es bei zwei bedeutenden Ereignissen der Vereinsgeschichte ganz leise im Klömpchensklub. Beim Tode von Trainerlegende Werner Fuchs und dem letzten Liga-Spiel am Tivoli wurde es mucksmäuschenstill und man spürte die Wehmut der Fans. Zum Ende des Films gab spendete das Publikum tosenden Applaus.

 

Trailer "Abpfiff am alten Tivoli"